Daumen runter für Schlappi-Essen

Schmeckt Kindern und älteren Menschen: das gemeinsame gesunde Frühstück.Foto:Volker Speckenwirth
Schmeckt Kindern und älteren Menschen: das gemeinsame gesunde Frühstück.Foto:Volker Speckenwirth
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schüler von St. Georg kaufen für ihre Besucher aus dem Seniorentreff Kick Zutaten für gesundes Frühstück und suchen Menschen, denen sie vorlesen.

Hattingen..  „Ich hab’ Angst“, sagt eine Erstklässlerin bei strahlendem Sonnenschein auf dem Schulhof. Besonders furchtsam sieht sie aber nicht aus. Und wenn es sowas wie anfängliche Berührungsängste gegeben haben sollte, dann sind sie schnell weggeblasen, als die Seniorinnen und Senioren vom Kick es sich zwischen den Kindern gemütlich machen am gedeckten Frühstückstisch in einem Unterrichtsraum der Förderschule St. Georg.

Beide kooperieren seit Jahren miteinander, treffen sich regelmäßig, die Älteren machen Vorschläge, womit sie sich gern in der Schule einbringen würden, Lehrerinnen und Lehrer greifen zu aus der Vorschlagsliste. Die ist längst noch nicht abgearbeitet. Ein Ausflug mit dem Rad ist noch geplant. Kick hatte einige Räder zur Verfügung gestellt für Kinder, die kein eigenes haben. Auch Skate-Aktivitäten stehen noch auf dem Programm. Lehrerin Stefanie Lindemann, die seit diesem Schuljahr in Hattingen arbeitet, hat hier zugegriffen. Zum Einstieg. Und weil das gesunde Frühstück gut in den Unterrichtsplan passt. Vorher war sie an der Förderschule in Schwelm, die geschlossen wurde. Sie wünschte, Eltern hätten die Wahl, ob sie ihr Kind an der Förder- oder einer anderen Schule unterrichten lassen wollen.

Eigentlich wollten die Erwachsenen nach dem Essen noch an einer Unterrichtsstunde mit Kindern aus dem ersten und zweiten Schuljahr teilnehmen. Doch wer packt schon Mathe- oder Deutschbuch aus, wenn Besuch da ist? Die Runde beschränkte sich darauf, sich kennenzulernen und miteinander zu reden. „Wir sind, wie sich unschwer erkennen lässt, im Alter eurer Omas und Opas“, sagte Inge Berger vom Kick. Die Besucher „ mussten früher in einer Reihe sitzen, durften kein Wort sagen und wollten mal sehen, wie Schule heute so läuft.“ Im Moment laufen angeregte Gespräche zwischen Großen und Kleinen.

Letztere waren schon eigenständig einkaufen, haben Brötchen, Käse, Wurst, Obst sowie Möhren, Tomaten und Gurken besorgt. Alles steht aufgeschnitten auf dem Tisch. In den Butterbrotdosen der Schülerinnen und Schüler hat sich ebenfalls ein Wandel vollzogen. Sie enthalten nicht mehr nur Schokoriegel, Milchschnitten, Gummbärchen, Nutellabrote oder abgepackte Waffeln. Die Kinder wollen keine Schlappis sein, da zeigt ihr Daumen eindeutig nach unten. In die Höhe recken sie ihn fürs gesunde Frühstück. „Ich bin bananensüchtig“, erklärt ein Junge mit ernstem Gesicht. „Früher hab’ ich fast nur Süßigkeiten gegessen, damit ist Schluss“, verkündet er. Den Daumen in die Höhe halten werden Kinder auch für Lesehelfer. Diese wünschen sie sich dringend, brennen darauf, dass Menschen kommen, denen sie vorlesen können.