Das Publikum lacht Tränen

Jan Weiler in der Stadtbibliothek.
Jan Weiler in der Stadtbibliothek.
Was wir bereits wissen
Jan Weiler las in der Stadtbibliothek aus seinem Buch „Das Pubertier“. Episoden aus dem Leben eines entrechteten Vaters – scharfsichtig und komisch .

Hattingen..  „Der war klasse, sehr unterhaltsam“, freute sich ein Zuhörer am Donnerstagabend nach Jan Weilers Lesung aus seinem Buch „Das Pubertier“ in der Stadtbibliothek.

Sehr lebendig und souverän trägt der Autor Episoden aus seiner Kolumnensammlung „Das Pubertier“ vor, einer Zusammenstellung aus seiner Reihe „Mein Leben als Mensch“: Geschichten und Probleme, in denen sich alle Eltern in der ein oder anderen Form wieder erkennen können, finden sich da. Plötzlich fühlt man sich als Vater völlig entrechtet, CDs, DVDs, Geld und Rasierschaum sind weg, dafür muss man am Telefon immer und überall erreichbar sein, auch während einer Lesung, um seiner Tochter Hilfestellung bei einem Referat über Belgien zu geben.

Auch das Wecken eines Teenagers für den rechtzeitigen Schulbesuch fordert sowohl die Kreativität als auch die Ausdauer der Eltern und bietet Material für eine regelrechte Versuchsreihe. Bei der Annäherung ans Bett lauern Stolperfallen wie Handyladekabel und Essensreste auf den Versuchsleiter, diverse Berührungen erweisen sich als wirkungslos, erst ein über dem Kopf des Pubertiers ausgewrungener nasser Waschlappen zeigt das gewünschte Resultat: eine überraschende explosionsartige Aktivität. Aktennotiz: „Das Pubertier hat offene Augen und verbreitet schlechte Laune. Also ist es wach.“

Trotz ihrer morgendlichen Startprobleme hat seine Tochter aber noch nie den Bus verpasst – ein unerklärliches Phänomen und daher ein mögliches Thema für eine neue Versuchsreihe! Elternabende oder die Mitwirkung als Vorhangöffner bei Schulmusicals gehören auch zu den traumatischen Erlebnissen, denen sich Erzähler Jan Weiler im Elternalltag immer wieder ausgesetzt sieht. Auch bei neuen Unterrichtsmethoden wie sozialpädagogischen Workshops in Sexualkunde kann man nur noch staunen. Die Zeiten des romantischen Poesiealbums liegen in weiter Ferne.

Auch auf die Paarbeziehung der Eltern wirkt sich die Pubertät der Kinder mitunter irritierend aus: „Warum darf ich die Mama nicht mehr küssen?“ – „Das ist eklig, weil du alt bist.“ Solche schockierenden Erlebnisse werden ergänzt um Zwangsferien im Spaßbad und Besuche bei Verwandten, deren Hobbys man nicht teilt. Bei aller Scharfsichtigkeit ist Jan Weilers Humor nie verletzend, sondern zeigt mit viel Sinn für Komik skurrile Aspekte im Verhältnis von Eltern und pubertierenden Kindern auf. Die Zuhörer haben oft Tränen gelacht.