Das Opfer vom Täter fernhalten

Richtig eingreifen: In vielen Schulen wird Zivilcourage in Rollenspielen geübt.
Richtig eingreifen: In vielen Schulen wird Zivilcourage in Rollenspielen geübt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hans Moog half einer Frau und wurde niedergeschlagen. Tuğçe Albayrak starb. Kriminalhauptkommissar Uwe Kreis rät zur Hilfe, ohne sich in Gefahr zu bringen

Ein Jahr ist es in der Silvesternacht her, dass Heinz Moog in Hattingen Zivilcourage zeigte. Er half auf der Nordstraße einer Frau, die von einem Mann bedrängt wurde. Und wurde selbst zum Opfer, endete niedergeschlagen, konnte sich der Tritte kaum erwehren. Das Resultat: ein blutender Kopf, ein zerschmettertes Sprunggelenk. Aber er kam mit dem Leben davon – anders als kürzlich Tuğçe Albayrak. Wie viel Zivilcourage jeder Bürger zeigen sollte, weiß Kriminalhauptkommissar Uwe Kreis von der Abteilung Kriminalitätsvorbeugung/ Opferschutz der Polizeibehörde des Ennepe-Ruhr-Kreises.

„Ist man alleine, sollte man niemals eingreifen, das machen wir als Polizisten auch nicht, wir warten auf einen Kollegen“, erklärt er. Er empfiehlt, Dinge wahrzunehmen, zu registrieren, Hilfe zu organisieren. Will man einschreiten, sollte man sich nicht mit dem Täter auseinandersetzen, sondern „das Opfer vom Täter distanzieren, so weit wie möglich. Das Opfer ist die Zielperson.“

Vorteilhaft ist es, wenn das Opfer möglichst in großer Gruppe vom Täter entfernt wird. „Denn der hört nicht auf, ist aggressiv, wenn ich mich aktiv einmische, er sucht sich dann ein anderes Opfer“, weiß Kreis aus Erfahrung. Er führt Trainingsmaßnahmen durch, unter anderem mit Schülern in Bussen.

Entsetzt war vor einem Jahr Heinz Moogs Frau darüber, dass niemand ihrem Mann, der seine Zivilcourage bei einer Ehrung durch den Landrat als „selbstverständlich“ wertete, half. Sollen Umstehende helfen, rät Kreis, einzelne Menschen gezielt und persönlich anzusprechen: „Helfen Sie mir!“ Würde das in die Allgemeinheit gesagt, griffen selten Menschen ein.

Er nennt sechs Punkte, die beachtet werden sollten: Man sollte

1. helfen, sich aber nicht selbst in Gefahr bringen,

2. Mithilfe fordern,

3. genau beobachten und sich Tätermerkmale einprägen,

4. über 110 Hilfe holen,

5. sich um das Opfer kümmern,

6. als Zeuge verfügbar sein.

Nach dem Fall Tuğçe Albayrak wollten nicht mehr Leute als sonst wissen, wie sie Opfern von Gewalt helfen können. „Was das angeht, ist die Bevölkerung träge, wenn ich gezielt auf Einrichtungen zugehe, werden Informationsangebote dankbar angenommen, von sich aus kommen nur wenige.“ Er informiert Jugendliche und Senioren.