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Damit Mieter nicht baden gehen

31.08.2012 | 18:17 Uhr
Damit Mieter nicht baden gehen
Aktiv wird Peter Voß nicht nur am Becken, sondern in der Wohnung von Mietern mit Zahlungsrückstand.Foto:Gero Helm

Hattingen.   Peter Voß trainiert nicht nur Wasserballer, sondern hilft als Sozialmanager beim Wohnen

„Schön hier zu wohnen“ lässt die Deutsche Annington auf ihrer Homepage im Internet junge Frauen vom Balkon aus über Dächer blicken. Bei Zahlungsschwierigkeiten wird die Situation jedoch unschön für beide Seiten. Das Wohnungsunternehmen will aber betroffene Mieter nicht an die Luft setzen, sondern Hilfe schicken: in Form des Sozialmanagers Peter Voß. Der Bochumer trainiert nicht nur Wasserballer, sondern hilft Mietern dabei, nicht baden zu gehen, weil sie überschuldet sind.

Wenn sie es denn wollen und mit seinem Besuch einverstanden sind, kommt er ins Haus. Nach einer schriftlichen Ankündigung. Bundesweit nimmt die Verschuldung zu, stellt Dr. Jürgen Frech fest, Leiter der externen Kommunikation bei der Deutschen Annington. Die kooperiert mancherorts auch mit der AWo, unterhält dort eigene Büros. In Hattingen kommt der Sozialmanager ins Haus.

Nicht jeder, der mit der Miete im Rückstand ist, hat Zahlungsschwierigkeiten. Mancher behält einen Teil der Miete ein, weil er Mängel beanstandet oder mit der Nebenkostenabrechnung nicht einverstanden ist. Überweist jemand die Miete nicht, ohne einen Grund anzugeben, „gehen wir von Zahlungsschwierigkeiten aus“, so Frech. Es sei keinesfalls so, dass jeder Zweite oder Dritte die Miete nicht zahlt. Die Zahl der Betroffenen liegt vielmehr im einstelligen Prozentbereich. Das sind ein paar tausend Mieter angesichts von 200 000 Wohnungen der Annington deutschlandweit.

Die Sozialarbeit ist für den 46 Jahre alten Bochumer kein unbekanntes Betätigungsfeld. Peter Voß hat auch schon mit Menschen gearbeitet, die ins Heim mussten. „Vertrauen schaffen“: Darum geht es ihm jetzt bei Mietern, die mit der Zahlung im Rückstand sind. Seit April kümmert er sich nicht nur um Mieter in Hattingen, sondern auch in Herne, Bochum und Witten. Etwa 100 hat er seither aufgesucht – „und noch nicht eine negative Erfahrung gemacht“. Die meisten sind froh, Hilfe zu bekommen, wenn sie nach Jobverlust oder Trennung in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, den Überblick verloren haben.

Logisch wäre, die Miete vorrangig zu überweisen, gerade wenn das Geld knapp wird, um keine Mietschulden auflaufen zu lassen und das Risiko der Wohnungslosigkeit einzugehen. Die Realität sieht oft anders aus. Bei Ratenzahlungen wird großzügig zugegriffen, nicht nur das Haus auf Pump gekauft, sondern vieles mehr. Irgendwann geht bei manchem der Überblick verloren, Rechnungen werden nicht mehr geöffnet. Alte, Junge, Männer, Frauen – es geht querbeet durch Bevölkerung und Problemlagen. Meist sind die Menschen froh, wenn sie „zurückgeholt werden ins Leben“. Auf den rechten Weg bringen will sie ihr Sozialmanager.

„Wir wollen die Mieter behalten“, begründet Frech, weshalb die Deutsche Annington diesen „innovativen Weg“ gehe. Er fühlt sich bestätigt, denn die Erwartungen seien bisher weit übertroffen worden. Dass dem Sozialmanager die Arbeit ausgeht, weil durch sein Tun alle brav zahlen, fürchtet er nicht. Es werde immer neue Fälle geben angesichts der schwierigen Lage und vieler Menschen, die sich verschulden.

Brigitte Ulitschka



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