Dachdecker werden Sondermüll nicht los

Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
  • Dämmplatten werden seit Ende September als gefährlicher Abfall eingestuft
  • Entsorgung kostet das 30- bis 35-fache des bisherigen Preises
  • Entsorger dürfen nur bestimmte Menge annehmen

Hattingen..  Dachdecker bleiben auf ihrem Styropor sitzen und werden ihren Müll nach durchgeführten Sanierungsarbeiten kaum mehr los. Seit Ende September werden Poly­styrolplatten als gefährlicher Abfall eingestuft, es gelten strengere Auflagen bei der Entsorgung. Die Platten müssen getrennt vom restlichen Bauschutt übergeben werden. Die Folge: Die Kapazitäten bei den Entsorgern sind stark begrenzt – wenn die Platten überhaupt angenommen werden. Und auch die Kosten explodieren. Eine Tonne liegt bei bis zu 7000 Euro, das etwa 30- bis 35-fache des bisherigen Preises, als die Entsorgung noch über den Baumischabfall laufen konnte.

Chemikalie schadet der Umwelt

Die Dämmplatten unterscheiden sich durch eine Eigenschaft von normalen Styroporverpackungen, die problemlos in den gelben Sack gegeben werden können. Denn die Dämmplatten sind in der Regel leicht entflammbar. Die Behandlung mit der chemischen Verbindung Hexabromcyclododecan (HBCD) verhindert dies. Dabei ist der Flammschutz eine der besseren Eigenschaften der Chemikalie, denn sie schadet der Umwelt.

Bereits im Mai 2013 wurde daher über das schrittweise Aus des Stoffes entschieden. Spätestens im Frühjahr dieses Jahres drang dieser Schritt auch zu den heimischen Handwerkern durch. Und doch sind die Folgen so nicht erwartet worden. „Es ist das totale Chaos“, sagt Milanko Karanovic, Dachdecker aus Hattingen. Dabei habe er noch Glück gehabt. Die überholten Dämmstoffe wurden überwiegend in Flachdächern eingesetzt. Und um ein solches Projekt müsse er sich gerade nicht kümmern. „Aber wir haben jahrzehntelang Sondermüll auf die Häuser geklebt – eine Katastrophe.“

Dass die Dämmplatten nun anders entsorgt werden müssen, nehme auch Einfluss auf die Kalkulation. Dazu Christina Noffke vom Entsorger AGR-DAR, der eine Niederlassung in Hattingen betreibt: „Die Platten müssen analysiert werden, ein Preis kann erst nach der Analyse genannt werden.“ Übersteigt der HBCD-Wert eine bestimmte Grenze, müssen die Platten einer besonderen Verbrennungsanlage zugeführt werden. Die Krux sind die Kapazitäten: „Wir dürfen 40 Kubikmeter pro Woche annehmen – von all unseren Kunden.“

Im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis sieht es für die Dachdecker nicht gut aus. Elisabeth Henne, bei der Kreisverwaltung zuständig für die Abfall- und Entsorgungswirtschaft, stellt es vereinfacht dar: „Wir bedienen nur noch Privathaushalte und haben die Kapazitäten für Gewerbetreibende abgebaut.“