„Crash“ verursacht 900 000 Euro Schaden

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Was wir bereits wissen
Hattinger Brüder (44 und 36) stehen seit Montag wegen Wirtschaftsverbrechen vor dem Landgericht. Anklage der Staatsanwaltschaft: Betrug, Bankrott und Insolvenzverschleppung in zwei Fällen.

Hattingen..  Vom „Crash“, spricht der 44-jährige Angeklagte aus Hattingen und meint damit den Zusammenbruch von drei Firmen, die mit Mobil­telefonen, Tablets und anderen elektronischen Geräten aus dem Bereich der Telekommunikation handelten. Seit Montag muss der Unternehmer sich vor der Ersten Strafkammer des Essener Landgerichtes unter anderem wegen Betruges, Bankrott und Insolvenzverschleppung in zwei Fällen verantworten. Mit auf der Anklagebank sitzt sein 36-jähriger Bruder, der beim Bankrott geholfen haben soll. Schaden: rund 900 000 Euro.

Im Herbst des Jahres 2011 haben die Brüder aus Hattingen laut der Essener Staatsanwaltschaft Waren bestellt, die sie aller Voraussicht nach nicht würden bezahlen können. Dadurch entstanden zwei Lieferanten, so die Anklage, Schäden von knapp einer Million Euro.

Über den beschriebenen „Crash“ und die damit verbundenen Hintergründe wollen die beiden Angeklagte am ersten Verhandlungstag aber noch nicht reden. Sie beschränken sich zunächst auf ihren Lebensweg.

Der 44-Jährige Geschäftsführer von zwei GmbHs und Inhaber eines Einzelunternehmens strebte einst eine Karriere bei der Polizei an. Nach Realschulabschluss und dem Besuch der höheren Handelsschule in Hattingen bewarb er sich im Jahr 1993 für den höheren Dienst. Das wurde abgelehnt, stattdessen habe man ihm den mittleren Dienst angeboten. Das sei nicht „sein Ziel“ gewesen, berichtet der Angeklagte.

Er plante eine andere Karriere, machte sich im Bereich der Telekommunikation selbstständig. Mit Erfolg: „Ich habe mich stetig hochgearbeitet“, sagt er. Bis zum „Crash“. Seine Familie hat sich danach von ihm getrennt. Er hat 900 000 Euro Schulden. „Ich versuche jetzt, als Handelsvertreter über die Runden zu kommen“, erzählt der 44-Jährige. Der Branche ist er treu geblieben.

Umzug nach England

Kurzfristig zog er nach dem Zu­sammenbruch der Unternehmen nach England, das habe einen insolvenzrechtlichen Hintergrund gehabt, erklärt er. Inzwischen – zurück in der Heimat – ist er klüger: „Ich ­habe eingesehen, das funktioniert nicht.“

Sein Bruder, mit ähnlicher ­Schullaufbahn, jobbte erst einmal als Kellner. „In gehobenen Häusern in Hattingen“, beschreibt er. Schließlich stieg er als Angestellter beim großen Bruder ein. Er war und ist Geschäftsführer einer weiteren GmbH im Kommunikationsbereich mit 20 Mitarbeitern.

Die Kammer plant sechs weitere Verhandlungstage.