Chefs zahlen mehr als Mindestlohn

Markus Thiele hat mit dem Mindestlohn keine Schwierigkeiten. In seiner Bäckerei erhalten die Mitarbeiter längst mehr als 8,50 Euro.
Markus Thiele hat mit dem Mindestlohn keine Schwierigkeiten. In seiner Bäckerei erhalten die Mitarbeiter längst mehr als 8,50 Euro.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In vielen Betrieben wurde bereits vor Einführung der 8,50-Euro-Marke mehr als diese Summe gezahlt. Arbeitgeberverband kritisiert bürokratischen Aufwand.

Hattingen..  Über 3300 Arbeitnehmer im Ennepe-Ruhr-Kreis profitieren laut Hochrechnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) seit dem 1. Januar vom Mindestlohn. 8,50 Euro müssen Arbeitgeber nun mindestes pro Stunde zahlen. Für viele Hattinger ändert sich unterdessen wenig. Denn: Viele zahlten bereits vorher den Mindestlohn.

„Ich zahle meinen Mitarbeitern schon länge mehr als es das Gesetz vorschreibt“, sagt Friseurmeister Rüdiger Borgardt. Denn er schätze seine Angestellten wert. Auch beim Salon Hair & Beauty Zauber bekommt das Personal mehr als den festgelegten Satz von 8,50 Euro. In der Hattinger Gastronomie erhalten die Angestellten durch ihre Tarifverträge in der Regel einen höheren Stundenlohn, so die Auskunft einiger Gastronomen.

Immer wieder werden auch Bäckerei-Mitarbeiter als Nutznießer der Gesetzesänderung genannt. „Bei uns gibt es keine Änderungen. Bei uns bekommen alle schon mehr als 8,50 Euro“, sagt Ingrid Thiele aus der gleichnamigen Bäckerei. Angst, dass Brot und Brötchen nun teurer würden, müsste deshalb niemand haben.

Beim Pflegedienst Schwerte profitieren demnächst zwei Mitarbeiter, die Mittagessen ausfahren, vom Mindestlohn. „Alle, die in einem Angestelltenverhältnis stehen, liegen schon darüber. Das ist in unserem Falle in der Pflege aber auch gerechtfertigt. Denn die Arbeit ist nicht leicht, und es wäre nicht richtig, die Arbeiter mit nur 8,50 Euro pro Stunde zu bezahlen“, betont Detlef Schwerte. Für ihn bedeutet das Gesetz daher nur eine Veränderung in der Buchhaltung.

Eben die könnte viele Firmeninhaber aber belasten, befürchtet der Arbeitgeberverband mit seinem stellvertretenden Geschäftsführer Thomas Rosenke: „Die Dokumentationspflicht bei geringfügig Beschäftigten ist ein enormer Aufwand“, mahnt er. Bei geringfügig Beschäftigen müsse genau nachgehalten werden, wer wo wie lange arbeitet. Rosenke befürchtet, Stellen könnten abgebaut werden.

Frank Flörecke, stellvertretender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ruhr, erklärt, der Mindestlohn verursache im Handwerk keine Probleme: „Die Löhne liegen in den meisten Fällen weit über 8,50 Euro. Wir klagen über Facharbeitermangel. Da können wir Mitarbeiter nicht auf den letzten Euro drücken.“

Britta Stein, Gewerkschaftssekretärin des Verdi-Bezirks Südwestfalen, gibt aber zu bedenken, dass „viele Betriebe den Mindestlohn noch nicht zahlen“. Besonders kritisch sei es im Friseurhandwerk, bei Call-Centern und auch Taxi-Unternehmen.