Bußgeld für Bettler empört Zeugen

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Was wir bereits wissen
Vorwurf: Ordnungsamtsmitarbeiter kassieren alles bis auf Fahrgeld, damit der Mann verschwinden kann. Stadt: Bürger dürfen nicht belästigt werden.

Hattingen..  Die Solidarität mit Flüchtlingen macht auch Dieter Zänger „stolz auf dieses Hattingen“, wie er der Redaktion mitteilt. Eine „Schattenseite der amtlichen Stadt“ allerdings lässt ihn frösteln. Er beobachtete, wie zwei Vertreter des Ordnungsamtes einen „Bettler in die Mangel nehmen“ und ihm wegen aggressiven Bettelns 35 Euro Bußgeld auferlegen.

Das Presseamt der Stadt bestätigt den Sachverhalt und die Tatsache, dass der Mann zur Kasse gebeten wurde. Nach Rücksprache mit dem Fachbereich erklärt Susanne Wegemann, dass der Mann habe zahlen müssen. Das komme „vielleicht dreimal im Jahr vor“.

Wie sich der bettelnde Mann verhalten hat, konnte Dieter Zänger nicht beobachten. Er kam ins Spiel, als die Auseinandersetzung in der Fußgängerzone bereits lief. Beobachtete, wie der Mann 35 Euro zahlen sollte. „Die hat er offensichtlich nicht. Sie nehmen seine Pappbecher, zählen nach – was einige Zeit dauert, da es sich zum größten Teil um Centstücke handelt. Es reicht nicht. Sie sprechen einen Platzverweis aus und kassieren alles, bis auf ein Fahrgeld, damit er verschwinden kann.“

Für den Hattinger ist das „der blanke Zynismus. Er geht davon aus, dass der Bettler heute nichts zu essen hat und vielleicht auch morgen nicht. „Seine paar Euro sind ins Stadtsäckel gewandert“, empört er sich und findet das Verhalten nicht angemessen. „Dieser Mann verstand offensichtlich kein Deutsch. Er konnte auch wahrscheinlich den Vorwurf aggressiven Bettelns gar nicht zuordnen und war übrigens stark gehbehindert“, erklärt Dieter Zänger.

Aus der Tatsache, dass der Mann behindert war, schließt Dieter Zänger, dass dieser wohl kaum aggressiv auftreten konnte. Seinen Unmut äußerte er auch gegenüber den Mitarbeitern des Ordnungsamtes, die ihm einen Platzverweis und bei Nichtbefolgung den Einsatz polizeilicher Gewalt angedroht hätten.

Aggressives Betteln bedeutet übrigens nicht, dass der Betreffende sich gegenüber von Passanten aggressiv verhalten muss. Er darf sie nur nicht direkt angehen, ihnen den Sammelbecher nicht fast unter die Nase halten, sie nicht belästigen. „Wir haben nichts gegen Bettler, die in der Fußgängerzone sitzen und Geld sammeln“, sagt Susanne Wegemann. Durch zu aufdringliches Verhalten fühlten sich aber auch Menschen belästigt und beschwerten sich dann bei der Stadt. Dagegen gehe diese vor. Platzverweise gegen Bettler erteile man nicht – solange sie sich den Leuten nicht aufdrängen. Die Hand aufhalten, um – wie auf dem Foto – Geld zu erbitten oder einen Becher oder Sammelteller neben sich aufstellen, ist nicht verboten.