Bus-Aus wäre „das falsche Signal“

 
 
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Was wir bereits wissen
  • Bus 634 wegen geringer Nutzung vor dem Aus
  • Dann verlören betreute Menschen vom Marienhof ein Stück Eigenständigkeit
  • Auch viele Ausflügler nutzen die Linie

Hattingen..  Inklusion, sagt Sandra Wulff (44), sehe anders aus. „Eine deutliche Einschränkung der Teilhabe an gesellschaftlichen Leben“ hätte ein Wegfall der Buslinie 634 für die 13 erwachsenen Menschen mit einer geistigen Behinderung zur Folge, die auf Gut Marienhof leben und arbeiten – und dies, obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention Menschen mit Behinderungen diese ausdrücklich zuspricht.

Fabian (29) zum Beispiel fährt jeden Dienstagmorgen mit dem Bus vom Marienhof an der Felderbachstraße zum Rehasport in der Südstadt – eigenständig, die Haltestelle ist nur wenige Schritte vom Hauseingang entfernt. Würde die Linie 634 – von Nierenhof über Bredenscheid und Elfringhausen nach Herzkamp und Wuppertal wie geplant eingestellt, dann wäre das für sein Rückentraining wohl das Aus. Auch Martin (52) könnte sich sein wöchentliches Fußballtraining in Wuppertal knicken, Katharina (23) die Spontanbesuche bei Freunden – und auch all’ die anderen auf dem Marienhof betreuten Erwachsenen ein Stück hart erarbeitete Eigenständigkeit.

„Ohne diese Busline“, sagt Sandra Wulff, die Wohnbereichsleiterin, müssten Fabian, Martin, Katharina und Co. von ihr und den übrigen Mitarbeitern auf dem Marienhof durch die Gegend chauffiert werden oder aber sie wären auf ein „teures Taxi“ angewiesen. Bei 89 Euro Monatslohn.

Auch Ausflügler nutzen den Bus

Denn: Niemand von den betreuten Menschen auf dem Marienhof, einer Einrichtung des Vereins Troxler Haus Wuppertal, werde je selbst ein Auto fahren können. Und auch die rund vier Kilometer Fußweg bis zur Haltestelle der Linie 330 an der Gemüsescheune ohne Hilfe zurückzulegen, sei für sie utopisch. „Gibt es“, fragt sich die Heilerziehungspflegerin, „denn nicht auch eine Beförderungspflicht?“ Sicher, der 634er, der eh nur im Zwei-Stunden-Takt verkehrt, werde nur wenig genutzt. „Aber die, die drin sitzen, sind auf den Bus angewiesen.“

Auch die aus Bredenscheid kommende Hauswirtschafterin – ohne Auto – wisse nicht, ob sie im Fall der Fälle künftig noch zur Arbeit kommen könne; die auf dem Hof lebenden Kinder der Mitarbeiter müssten dann per Elterntaxi zur Schule gefahren werden. Und was sei mit den vielen älteren Bewohnern in Elfringhausen, wenn diesen Autofahren irgendwann nicht mehr möglich sei? Und was mit all’ den Ausflüglern, die am Wochenende zum Wanden in die Elfringhäuser Schweiz kommen – viele per Bus? „Wo“, so Sandra Wulff, „parken künftig dann die vielen zusätzlichen Pkw?“ Wenn der 634er in Elfringhausen demnächst nicht mehr fahre, sagt die 44-Jährige, „dann ist das für die Menschen in diesem Ortsteil das falsche Signal“.

Katharina formuliert es derweil so: „Dann“, sagt sie stellvertretend für sich und die anderen auf dem Marienhof betreuten Erwachsenen, „sitzen wir hier fest.“