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„Bio muss man leben“

24.05.2011 | 17:29 Uhr
„Bio muss man leben“
Alfred Schulte-Stade Foto: Barbara Zabka

Hattingen. Alfred Schulte-Stade betreibt seine Landwirtschaft ökologisch. Seine Wurst und sein Fleisch kommen aus eigener Zucht, zu der Auerochsen gehören.

Grün sind die Wiesen an der Ruhr. Und Grün ist auch das Motto von Alfred Schulte-Stade. Auf seinem Schultenhof an der Königssteiner Straße betreibt er ökologische Landwirtschaft, züchtet Schweine, Rinder und die Auerochsen – das Ur-Vieh in den Ruhrauen. „Man muss Ökologie leben, es bringt nichts, wenn bio nur drauf steht“, sagt er auf dem Weg zur Weide.

Dort grasen die Kühe ruhig, als sich der Wagen nähert. Neugierig gucken sie, als ihr Besitzer auf sie zugeht. 140 Tiere gehören ihm insgesamt. „Das hier sind Mutterkälber, die Zucht liegt mir am Herzen. Ich betreibe eine Ammenhaltung, das heißt die Kälber bekommen die Muttermilch und das ist nicht üblich.“ Die Tiere seien so widerstandsfähiger. Als Futter bekommen sie Heu und Grassilage. 32 bis 36 Monate züchtet er sie. Bei konventionellen Betrieben läge die Zeit bei 18 Monaten, bis ein Bulle das Schlachtgewicht von 400 Kilogramm habe.

Die 45 Auerochsen, die ihm ebenfalls gehören, zeigen sich nicht. Sie lägen weit unten an der Ruhr, sagt Schulte-Stade. Der Versuch sie an einem Futterplatz zu finden, scheitert. Ein scheues Ur-Vieh eben, das Alfred Schulte-Stade seit 1993 züchtet. „Die Tiere brauchen keinen Arzt“, charakterisiert er Auerochsen. Die Aufzucht sei einfach, seien sie doch „leichtkälbig“, bekämen leicht Nachwuchs. Und er braucht für sie auch keine Ställe und nennt ihre robuste Art als Markenzeichen. „Eben ein echtes Wildrind.“ Und das schmeckt herzhafter als normales Rindfleisch und sei sehr mager.

Schulte-Stade züchtet aber nicht nur, er verkauft auch selbst und seit 1996 schlachtet er auf dem Hof – für ihn ist es ein „geschlossenes System“. Ein Schlachthaus hat er extra angebaut. Anfangs habe man ihn belächelt, es würde sich nicht rechnen, erzählt er. Aber was sich auszahlte, war die Mundpropaganda. Zudem ist er von Bioland zertifiziert und unterwirft sich einmal im Jahr einer Kontrolle. Artgerechte Haltung, kein gespritztes Futter – damit erzeugt er Vertrauen bei den Kunden, die bei ihm direkt Wurst- und Fleischwaren im Hofladen kaufen oder seinen Party-Service buchen.

Seit 1986 treibt er die Landwirtschaft voran. Schon damals setzt er auf den Lieferservice für das Essen. Inzwischen betreibt er einen weiteren Hof in Ennepetal, wo er das Futter anbaut, und kooperiert mit der Messe in Essen. Dort plant er für 2012 ein Bio-Restaurant.

Vertrauen ist wichtig

Bio als Trend oder etablierte Einstellung? Schulte-Stade stoppt den Wagen und erklärt. Es gehe um Nachhaltigkeit. „Natürlich habe ich von den Lebensmittelskandalen profitiert. Die Menschen sind enttäuscht worden und wollen nun sehen, was sie essen.“ Seine Kundschaft stelle sich um, er habe sie auch ein Stück weit erzogen, sagt er lachend. „Man braucht nicht jeden Tag Fleisch.“ Jüngere Kundschaft komme und mit ihr ein Wandel im Essen: Weniger Fleisch, dafür hochwertiger.

Wichtig sei es für ihn, das Fleisch kontrollieren zu können von der Zucht bis auf den Teller. Dass Vertrauen dazu gehört, ist Alfred Schulte-Stade klar. „Ohne geht es nicht“, weiß er und erinnert sich an die Zeit der BSE-Skandale. Eine Zeit, in der er sich anhören musste, dass ja sein Fleisch beim Schlachthof vertauscht werden könne. Da fange es doch schon an mit dem Vertrauen, meint er. Grund genug für ihn selbst zu schlachten, aber auch zu sagen: „Ich mache es transparent.“

Wer zum Schultenhof kommt, nimmt in Kauf, dass nicht immer alles zu kaufen ist. „Steaks sind der Renner, aber wenn die nicht mehr da sind, müssen die Kunden eben warten.“ Oder anderes vom Rind kaufen. Oder Wild, von Schulte-Stades Jagd im Siegerland. „Einige Spezialisten holen sich auch nur die Zunge.“

Timo Klippstein

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Kommentare
24.05.2011
20:57
„Bio muss man leben“
von Alan_Smithee | #1

Nur sind das keine Auerochsen sondern Heckrinder.

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