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Bilder im Kopf

31.08.2012 | 18:23 Uhr
Bilder im Kopf
Deutsche Demokratische Republik Bezirk Berlin (Ost-Berlin) Ostberlin - Mauerbau, Bernauer Strasse: Der 19jaehrige Volkspolizist Conrad Schumann springt ueber den Stacheldraht ; Foto ist Teil 3 einer Serie - 15.08.1961 <english> German Democratic Republic Bezirk Berlin (Ost-Berlin) East Berlin - Berlin Wall, Bernauer Strasse: The fully uniformed 19 - year old East-German policeman Conrad Schumann jumping over the barbed wire ; the picture is part 3 of a serial - 15.08.1961 </english>Foto: ullstein - Chronos Media GmbH

Hattingen.   Das Industriemuseum Henrichshütte zeigt vom 10. September bis 3. März 2013 markante Aufnahmen der politischen Weltgeschichte. Umfangreiches Begleitprogramm in Planung – vor allem für Schüler

Das Industriemuseum setzt in seiner neuen Ausstellung auf die Macht der Bilder. Bilder, die Geschichte geschrieben haben, Bilder, die Geschichten erzählen. „Bilder im Kopf – Ikonen der Zeitgeschichte“ heißt die Schau, die am Montagabend, 10. September, eröffnet wird. Ganz bewusst am Vorabend von Nine-eleven (9/11, 11. September), einem Tag, der bei den meisten Menschen Bilder im Kopf hervorruft.

„Bonn, Berlin, Leipzig, Hannover, München, Hattingen. Ich finde, dass sich die Reihenfolge gut anhört“, sagt Museumsleiter Robert Laube. „Nein, im Ernst: Wir sind froh, dass wir das Haus der Geschichte kurzfristig davon überzeugen konnten, dass diese Wander-Ausstellung auch noch bei uns gezeigt werden sollte.“ Viel Planungszeit blieb da nicht, auch die Kosten von 12 500 Euro mussten schnell gestemmt werden: 7500 Euro trägt nun der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), 5000 Euro gibt der Ennepe-Ruhr-Kreis.

Ein zentrales Bild der Ausstellung ist der Sprung des 19 Jahre alten Conrad Schumann über den Stacheldraht in Berlin – aufgenommen am 15. August 1961. Es ist sein Sprung in die Freiheit, heraus aus der DDR, die mit dem Bau der Mauer begonnen hatte, hinein in die Bundesrepublik, in der er sich ein besseres Leben erhofft. Neun Tage später fallen die ersten Todesschüsse an der Sektorengrenze in Berlin-Mitte.

Junge Menschen vordunklen Rauchwolken

Andere markante Aufnahmen: die Rosinenbomber, die über Berlin fliegen; der Kniefall von Willy Brandt in Warschau als Symbol der Versöhnung; die Fotografien des entführten Hanns Martin Schleyer im deutschen Herbst; und eben 9/11, die terroristischen Attentate auf das World Trade Center in New York.

Eben dieses jüngste Ereignis ist in einem rational nicht nachvollziehbaren Bild dargestellt. Denn um kurz nach neun erwischt Fotograf Thomas Hoepker am East River fünf junge Menschen, die gelöst am Flussufer sitzen, während im Hintergrund dunkle Rauchwolken in den Himmel steigen – soeben waren die Flugzeuge in die Zwillingstürme geflogen, für die jungen Menschen ein offensichtlich nachrangiges Geschehen.

Der erste Mannauf dem Mond

„Die Ausstellung ist eher politisch gehalten“, sagt Robert Laube. „Es gibt keine 54er Weltmeister, kein Sommermärchen. Aber das ist auch eine unfaire Kritik, denn irgendetwas fehlt immer.“ Um junge Menschen – in Hannover fragte jüngst eine Achtklässlerin: „Wer ist eigentlich dieser Willy Brandt?“ – dennoch zu begeistern, gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Mit Arbeitsblättern, interaktiv, abgestimmt auf die Interessen von Schülern. Lehrer sollen zudem gezielt Fortbildungen erhalten.

Was nicht fehlen darf: Hattingen. „Unser Ziel ist es, im Verlauf der Ausstellung auch eine heimische Ecke aufzubauen“, so Laube. Motto: „Was sind die Bilder, die die Hattinger im Kopf haben?“ Was zu erwarten ist: der Hüttenkampf vor 25 Jahren, die Menschenkette, vielleicht die Groß-Demo auf dem Rathausplatz. Was sich die Macher erhoffen: Hattinger Bilder, die ganz individuell, vielleicht sogar privat sind. Familie, Freunde, der Verein. Oder sind es doch die ganz großen Dinge: der erste Mann auf dem Mond, ein Konzert der Rolling Stones, oder, oder, oder.

Bis zum 3. März 2013 läuft die Ausstellung im Industriemuseum Henrichs-hütte, so lange wie keine andere zuvor (ausgenommen die Helden-Ausstellung zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010).

Ziel? Natürlich Bilder im Kopf zu hinterlassen.

Von Michael Brandhoff


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