Bericht: Pilot der AF 447 war überfordert

Auf der Brücke am Kemnader See nahmen im Juni 2009 Angehörige und Freunde Abschied von Adrian S.Foto: Archiv,UK
Auf der Brücke am Kemnader See nahmen im Juni 2009 Angehörige und Freunde Abschied von Adrian S.Foto: Archiv,UK
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Magazin Vanity Fair schreibt über neue Erkenntnisse zum Absturz des Air-France-Fluges im Jahr 2009. 228 Menschen kamen über dem Atlantik ums Leben, darunter auch der Blankensteiner Adrian S.

Hattingen.. Etwas mehr als fünf Jahre ist es her, dass der Flug AF 447 von Rio de Janeiro nach Paris von den Radaren der Flugsicherung verschwand, der Airbus A330 in den Atlantik stürzte und 228 Menschen in den Tod riss – darunter auch Service-Ingenieur Adrian S. aus Blankenstein. Menschliche, aber auch technische Fehler sowie ein schweres Gewitter gelten als Gründe für den Absturz des Air-France-Flugzeugs. Jetzt berichtet ausgerechnet das Luftfahrt-ferne Magazin Vanity Fair über die letzten Minuten im Cockpit und stellt neue Erkenntnisse vor – de­nenzufolge war der unerfahrenste von drei Piloten alleine in der Verantwortung, die beiden anderen hatten sich schlafen gelegt.

Das bittere Fazit des Artikels: Wenn der Flugkapitän (11 000 Flugstunden) und sein Kopilot (6000 Flugstunden) sich nur eine Viertelstunde später hingelegt hätten, wäre ein Vermeiden der Katastrophe möglich gewesen. Der unerfahrene Pilot (32, 3000 Flugstunden), der die Maschine zum Zeitpunkt des einsetzenden Unwetters steuerte, war schnell mit der versagenden Elektronik überfordert. Zu diesem Schluss kommt inzwischen auch Chef-Ermittler Alain Bouillard.

„Verdammt, ich habe keine Kontrolle mehr über das Flugzeug“ ist einer der Ausrufe, die der Stimmenrekorder aufgezeichnet hat. Seine letzten Worte: „Fuck, we’re dead!“ Weil er falsch reagierte – u.a. die Nase des Flugzeugs nach oben statt nach unten gezogen hat – war Flug AF 447 nicht mehr zu retten.

Für die Hinterbliebenen der 228 Toten – darunter 26 Deutsche – sind das bittere Erkenntnisse. Sie hatten kritisiert, dass sich zu sehr auf Pilotenfehler konzentriert würde.

Der Blankensteiner Adrian S. – geboren im Jahr 1967 – befand sich im Juni 2009 auf dem Rückflug einer Dienst­reise für seine Firma MAN Turbo AG. Er war Patent-Inhaber für eine „unflüssige Flüssigkeitsattrappe“. Für Aufsehen hatten damals 100 Verwandte, Freunde und Bekannte gesorgt, als sie weiße Blumen als letzten Gruß in die Ruhr geworfen haben.

Aber auch der Hattinger Notfallseelsorger Ralf Radix war in besonderem Maß in das Unglück involviert. Der Pfarrer organisierte den ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche, zu dem 107 Angehörige gekommen waren. Radix hat ihn initiiert, geplant und die Gebete geschrieben. Auch die Texte der Einladungen hatte er verfasst.