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Schulsport I

Bedingt sportbegeistert

12.02.2010 | 18:05 Uhr

Letzte Hoffnung oder letztlich hoffnungslos? Der Sport-Unterricht an Hattinger Schulen kennt viele Probleme. Ein Überblick.

Viele, wenn nicht alle gängigen Vorurteile gegenüber Schülern finden sich in der Sporthalle wieder: zu faul, zu laut, zu dick, zu aggressiv und natürlich – viel zu unsportlich.

Früher war alles besser, einschließlich der Zukunft, wie schon Karl Valentin wusste. Doch stimmt es wirklich, dass die Schüler früher fleißiger, leiser, schlanker, friedlicher und sportlicher waren und es heute nicht mehr sind?

Der Schulsport ist der Verursachung dieser, tatsächlichen oder eingebildeten, negativen Entwicklung eher unverdächtig. Er steht ihren Folgen jedoch oft gegenüber. Oder wie Marcus Lubienski, Sportlehrer an der Realschule Grünstraße, es ausdrückt: „Die Probleme machen vor der Sporthalle natürlich nicht Halt.” Wie steht es also um den Sportunterricht an Hattinger Schulen? Und noch viel wichtiger: Wie steht es um die Schüler beim Thema Sport?

Die Suche nach Antworten beginnt bei den Jüngsten. In der holzgetäfelten Bismarckhalle sind 24 Zweitklässler der Katholischen Grundschule Weiltor St. Franziskus in ihrem Element: hüpfen, springen, schreien – vor allem schreien: „Die Lautstärke ist schon eine extreme Belastung”, sagt Lehrerin Bruni Fischer. Doch ansonsten betragen sich ihre Schüler vorbildlich: Sie lauschen ihrer Lehrerin andächtig im Sitzkreis, bauen die Stationen des anschließenden Rundlaufs gewissenhaft auf – und zeigen jede Menge sportlichen Einsatz. Ein Drittel der deutschen Grundschüler soll keine Rolle vorwärts mehr können? Diese Zweitklässler müssen zu den anderen zwei Dritteln gehören: Nicht ein Kind scheitert am „Purzelbaum”. Dazu wird mit Hingabe Seilchen gesprungen, auf Bänken balanciert und mit Bällen gedribbelt. Vollkommen normal in diesem Alter, meint Frau Fischer: „Später wird es kritischer. Wenn Sport nicht von den Eltern vorgelebt und unterstützt wird, lässt der natürliche Bewegungsdrang nach.”

Dieses „später” ist an der Haupt- und Realschule sowie am Gymnasium dann schulsportlicher Alltag: „Man ist ja schon froh, wenn in einer Sportstunde alles heil bleibt, es keine Verletzten gibt und es nicht zu aggressiv wird”, findet Realschul-Lehrer Marcus Lubienski deutliche Worte: „Das Arbeiten im Sport-Unterricht wird zunehmend schwieriger, vor allem disziplinarisch.”

An der Hauptschule Hattingen dagegen ist Schulsport ein probates Mittel, um die Disziplin in den anderen Unterrichtsfächern zu sichern: „Eigentlich wünsche ich mir, man würde jeden Tag mit Sport anfangen”, sagt die stellvertretende Schulleiterin Barbara Bickert-Brennecken und Sportlehrerin Katrin Ulfers ergänzt: „Vor dem Unterricht ein Dauerlauf – das würde viel helfen.” Denn: Wer Sport treibt ist ausgeglichener und kann sich besser konzentrieren. Doch gerade in der Pubertät gehe vielen Schülern nicht nur die Lust am, sondern auch das Gefühl für die Notwendigkeit für Sport verloren. Deshalb der Anspruch der Hauptschule: „Wir wollen aus einem Couch-Potato keinen Olympioniken, aber einen interessierten Sportler machen”, betont Bickert-Brennecken. Auch die „Bewegungslegastheniker” gelte es täglich zu motivieren. Denn die Unsportlichen werden mehr, wie Marcus Lubienski beobachtet hat: „Bei der körperlichen Belastbarkeit und den koordinativen Fähigkeit sind die Schüler schwächer als früher.”

Etwas erfreuliches: Keiner der befragten Sportlehrer hat eine Zunahme der übergewichtigen Kinder festgestellt: „Natürlich haben wir dicke Kinder in den Sportklassen, aber die gab es früher auch”, sagt Bickert-Brennecken.

Janis Brinkmann

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