Bauland Turmstraße vor dem Aus

Streitbare Parteichefs aus Niederwenigern: Klaus Orth (links) und Theo Haske fanden beim WAZ-Gespräch dann doch noch gemeinsame Ziele.
Streitbare Parteichefs aus Niederwenigern: Klaus Orth (links) und Theo Haske fanden beim WAZ-Gespräch dann doch noch gemeinsame Ziele.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Nach CDU und Grünen will nun auch die SPD Niederwenigern die Ausweisung der knapp 40 000 Quadratmeter großen Grünfläche als Baugebiet verhindern.

Hattingen..  Es war einer der städtebaulichen Aufreger des Jahres 2013. Ein Detail des Stadtentwicklungskonzeptes 2030 für den Stadtteil Niederwenigern brachte die Wennischen in Wallung – und vor allem CDU und SPD gegeneinander auf. Im Fokus: die knapp 40 000 Quadratmeter große Grünfläche nördlich der Turmstraße zwischen Hombergsegge und Rüggenweg. Die Stadtplaner wollen das Areal gleich neben der Kerbecke als Baugebiet reservieren – wenn sich denn irgendwann ein Investor findet für die Entwicklung des Geländes mit bis zu 100 Reihenhäusern.

„Wir brauchen das nicht und wir wollen das nicht“, schimpfte Theo Haske seinerzeit. Der Ortsbürgermeister und CDU-Ortsverbandschef warnte eindringlich. Doch die Argumente, der dörfliche Charakter würde leiden und der zusätzliche Verkehr sei nicht hinnehmbar, verhinderten eine Mehrheit im Rat für die Pläne nicht. SPD, FDP und Linke setzten sie durch.

Jetzt wackelt diese Mehrheit. „Die SPD Niederwenigern wird an den Plänen für eine Ausweisung der Fläche an der Turmstraße nicht weiter festhalten“, sagte Ortsvereinsvorsitzender Klaus Orth (66), als er am Donnerstag mit Theo Haske (75) in der WAZ-Redaktion über die Zukunft Niederwenigern diskutierte. 2013 habe man für das Stadtentwicklungskonzept insgesamt gestimmt und darauf vertraut, dass es in den kommenden Jahren immer wieder überarbeitet werde. „Das sollten wir nun tun“, so Orth. „Niederwenigern braucht kein Baugebiet dieser Größe als Reserve für die Zukunft.“

Womit wieder Ruhe einkehren könnte bei den Wennischen. Denn so kontrovers die beiden großen Parteien im Fall der Turmstraße in Stellung gegangen waren, so übereinstimmend beurteilen sie andere Aspekte der Stadtentwicklung.

Weitere Bautätigkeiten allenfalls als Lückenschlüsse, keine zusätzlichen Gewerbeflächen, keine Parkraumbewirtschaftung – in diesem Punkte marschieren SPD und CDU Seite an Seite. Die Essener Straße ist als Problem erkannt. „Mit der Belastung von 7000 Fahrzeugen pro Tag ist eine Grenze erreicht“, sagt Theo Haske. Hat aber wie auch Klaus Orth keine Lösung parat. Nicht zuletzt, weil die Wennischen selbst für den Großteil des Verkehrsaufkommens sorgen und den knappen Parkraum ebenfalls allein belegen.

Alleingelassen fühlen sich die beiden Politiker ebenfalls unisono von der Wirtschaftsförderung der Stadt. Ihr Wunsch: Die Verwaltung möge ihr Augenmerk verstärkt auf die Stadtteile richten, auch wenn sie dort kaum eigene Flächen anzubieten habe. Auch schulpolitisch sind sich Haske und Orth einig: Niederwenigern darf seine Grundschule auf keinen Fall verlieren.