Barockmusik bei Kerzenschein

 
 
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Was wir bereits wissen
Ensemble Barock Bochum überzeugte Besucher in der St.-Georgs-Kirche.

Hattingen..  „Musik aus längst vergangenen Zeiten“: So nannte das Ensemble Barock Bochum sein Konzert bei Kerzenschein mit Werken barocker Meister in St. Georg.

Silbrige Klänge in spielerischer Leichtigkeit zeichnen die Ouvertüre zu Henry Purcells Oper „Fairy Queen“ aus, mit der die Gäste aus Bochum die etwa 350 Besucher in der voll besetzten St.-Georgs-Kirche in die Welt des Barock entführten. Die Atmosphäre italienischer Fürstenhöfe beschwören die Musikerinnen und Musiker von Barock Bochum mit dem Concerto grosso D-Dur op. 6 Nr. 4 von Arcangelo Corelli, das sich durch das nuancenreiche Wechselspiel zwischen Soli- und Tuttipassagen auszeichnete. Kraftvolle Töne kommen mit dem Concerto für zwei Jagdhörner, Violinen und Basso continuo des heute kaum noch bekannten Benediktinermönchs Johann Valentin Rathgeber ins Spiel.

Edel-verhaltene Dezenz

Mit der edel-verhaltenen Dezenz höfischer Schreittänze, klangschön in klaren Konturen geformt, beginnt die Triosonate in d-Moll RV 63, um dann in rasanten, kurzgliedrigen Themen ihrem Beinamen „La follia“ gerecht zu werden: Melodiöse Streicherklänge mit subtil ausgestalteten Echoeffekten schlagen im eindringlichen Spiel von Barock Bochum mit seinen nuancenreicl interpretierten Affektwechseln um in schnell-flirrende Themen, zu denen eine Cellomelodie einen aparten Farbkontrast bildet. Dabei erschöpft sich aber das Spiel des Ensembles nie in einer Zurschaustellung von Virtuosität, sondern zeichnet sich durch reflektierte Gestaltung und Leidenschaftlichkeit aus.

Die Vielfalt ihres Ausdrucksspektrums stellten die Gäste auch in Georg Friedrich Händels Konzert für Orgel und Orchester F-Dur HWV 295 „Kuckuck und Nachtigall“ unter Beweis: Nachdenklichkeit und verinnerlichte Transzendenz klingen aus der Orgelmelodie von Michael Goede, auf die das Orchester mit wechselseitigen Impulsen reagiert, mal festlich, mal frivol, in farbenreichen Facetten. Der Wechsel des Themas in die Orgel lässt es dagegen wie eine Reminiszenz wirken – ein Klangcharakterwechsel, den die Musiker von Bochum Barock mit ausgeprägter Stilsicherheit interpretieren. Georg Philipp Telemanns Konzert für vier Violinen A-Dur ist durch die Nonchalance der virtuos-flirrenden Themen charakterisiert.

Prägnant gestaltete Entwicklungsprozesse und ein wundervoll plastisches, nahezu dreidimensionales Klangbild zeichnen die Interpretation des Concentus musico-instrumentalis VI von Johann Joseph Fux aus, bevor ein außergewöhnliches Kammermusikerlebnis mit der Weihnachtssonate von Pavel Josef Vejvanovsky ausklang.