Ausverkauf im Westenfeld
20.06.2007 | 08:56 Uhr 2007-06-20T08:56:55+0200Bei der HWG wird weiter aufgeräumt: Nach umfangreichen Entlassungen ist der Immobilienbestand an der Reihe.Von 553 Wohnungen in Nachbarstädten will man sich trennen. Aber auch in Winz-Baak stehen Häuser zum Verkauf
Die Hattinger Wohnstättengenossenschaft (HWG) will sich von allen 553 ihrer 4763 Wohnungen trennen, die nicht auf Hattinger Stadtgebiet stehen. Diese Pläne stellte die Geschäftsführung jetzt der Vertreterversammlung vor. Außerdem sei geplant, etwa 125 Wohnungen Im Westenfeld an private Kunden, bevorzugt an Mieter zu veräußern, hieß es.
Vorgesehen sei, 272 Wohnungen in Witten, 192 in Sprockhövel, 64 in Velbert, 18 in Bochum und sieben in Hagen "en bloc" an ein anderes Wohnungsunternehmen zu verkaufen. "Wir wollen uns wieder auf das H in unserem Namen besinnen", erklärte HWG-Vorstand Erika Müller-Finkenstein der Hattinger Zeitung diesen "für eine Genossenschaft sicher nicht alltäglichen Schritt". Mit dem zu erwartenden zweistelligen Millionenerlös solle die dringend erforderliche Sanierung des Hattinger Wohnraumbestandes "angeschoben" werden. Allein für die Modernisierung der Südstadt benötige man in den nächsten zehn Jahren 70 bis 80 Mio Euro. Insgesamt gehe der Sanierungsbedarf für die 4200 Wohnungen in Hattingen, von denen 60 Prozent 60 Jahre und älter seien, sogar in einen deutlich dreistelligen Millionenbereich.
In der Vertreterversammlung habe es breite Zustimmung zu den Verkaufsplänen gegeben. Und auch der Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland/Westfalen habe nach seiner jährlichen Prüfung der HWG die Veräußerung eines Teilbestandes der Wohnungen dringend empfohlen.
Abgerückt sei man aber von Überlegungen, auch die nicht sanierten Wohnhäuser Im Westenfeld in den "En-Bloc-Verkauf" einzubeziehen. "Ein Investor würde diese Häuser nur abreißen und dort neu bauen - das wäre mit einem Schutz der Mieter dort nicht in Einklang zubringen", erläuterte Müller-Finkenstein. Da aber in der Vergangenheit immer wieder auch von Mietern Kaufinteresse bekundet worden sei, wolle man die nicht sanierten Häuser im Westenfeld, etwa 40 mit 125 Wohneinheiten, "sozialverträglich" an Privatkunden verkaufen.
Für Privatverkäufe und En-Bloc-Geschäft aber gelte, dass es dadurch für Mieter nicht zu spürbaren Veränderungen kommen werde. "Wir schauen uns die Kaufinteressenten genau an", so Müller-Finkenstein. Zwar seien Mieter bereits durch § 566 des Bürgerlichen Gesetzbuches geschützt, nach dem Kauf Miete nicht breche. "Wir werden aber weitergehende Regelungen zum Mieterschutz festlegen", kündigte die HWG-Chefin an. Zu der für den Verkauf geplanten "Sozial-Carta" gehörten u.a. folgende Maßnahmen: eine Begrenzung etwaiger Mieterhöhungen, ein Verzicht auf Luxussanierungen, ein Ausschluss von Eigenbedarfskündigungen, ein lebenslanges Wohnrecht für ältere Mieter und ein Bestandsschutz für Mietereinbauten."Ein Investor würde diese Häuser nur abreißen."
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