Auschwitz-Bild wird ausgestellt

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Was wir bereits wissen
Die Botschaft der Malerinnen der VHS-Klasse von Michael Görler ist auch am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers aktuell.

Hattingen..  Berühmte Orchester bereisen oft die ganze Welt und spielen in den schönsten Konzertsälen. An Hässlichkeit und Grauen nicht zu überbieten war das Auftrittsumfeld des Frauenorchesters von Auschwitz. Sie trieb nicht die Liebe zur Musik ans Instrument, sondern der Wunsch zu überleben. Die Malereiklasse der VHS hat die Musikerinnen, die traurige Berühmtheit erlangten, vor über sechs Jahren gemalt. Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz holen sie das Riesenwerk aus der Versenkung.

Bis Ende März soll das acht Meter breite und drei Meter hohe Ölbild aus mehreren Teilen nicht nur an den 70. Jahrestag erinnern. „Der aufkeimende Antisemitismus in Deutschland und Europa“ ist für Michael Görler, den Leiter der VHS-Malklasse, und seine Malerinnen ein weiterer wichtiger Grund, das in den Jahren 2008 und 2009 entstandene Werk der Öffentlichkeit zu präsentieren und Interessenten Gelegenheit zu geben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nicht in den VHS-Räumen neben der Grundschule Oberwinzerfeld, aber im Flur davor, wo genug Platz ist.

Eigentlich würde Görler auch gern das Palästinenser-Bild dazu zeigen und beide Werke in Form eines Kreuzes ausstellen. Doch ist dieses acht Meter hoch und drei Meter breit – keine Chance es hier auszustellen bei diesen Dimensionen.

Die Bertelsmann Stiftung mag festgestellt haben, dass die Mehrheit der Deutschen sich nicht mehr mit dem Holocaust beschäftigen möchte und einen Schlussstrich ziehen will. Die Malerinnen sind jedoch der Ansicht, „unser Frauenorchester ist auch heute aktuell“ und sollte auch und gerade in diesen Zeiten diskutiert werden. Aktuell nicht im Sinne von Schuld – dafür waren die Malerinnen alle viel zu jung. Doch um Verantwortung geht es beispielsweise Brigitte Lümmer. Sie diskutiert auch mit ihren Kindern über Fremdenfeindlichkeit und Demokratie. Gretel Krogoll betrachtet ihre Musikerin im gestreifen Sträflingsanzug und sagt: „Es war nicht einfach, den Gesichtsausdruck so hinzubekommen, der leere Blick.“

„Die Opfer von Paris, Polizisten und Karikaturisten, wurden für etwas ermordet, was sie taten und lebten“, so Görler. „Die jüdischen Opfer im Pariser Supermarkt hingegen wurden für das ermordet, was sie sind.“ Den Nährboden für Extremismus, Fremdenhass, Antisemitismus und Islamismus wollen sie alle gemeinsam ausräumen. Nicht nur mit dem Pinsel und einer politischen Botschaft, die ihr Bild transportieren soll. Sie halten Bildung und Ausbildung für wichtig, fordern Chancen und Perspektiven für Jugendliche, aber auch für Erwachsene.