Ausbildung statt Strafe

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Was wir bereits wissen
Hattinger zahlt Unterhalt nicht. Gericht stellt Verfahren ein.

Hattingen..  Rund 1000 Euro Unterhalt sollte der jetzt 51-jährige Hattinger nach der Scheidung für seine drei Kinder zahlen, so der richterliche Beschluss von 2013. Der Diplom-Architekt zahlte gar nichts. Er verlor seinen Job. Es kam zum Prozess. „Er hat keine Anstrengungen gemacht zu zahlen“, befand das Amtsgericht Hattingen und verurteilte ihn im April zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. Der Mann ging in Berufung. Jetzt wurde das Verfahren vor dem Essener Landgericht eingestellt mit der Auflage, eine Ausbildung zum Busfahrer zu beginnen.

Von staatlicher Unterstützung lebt er. Aber er habe sich so viel Mühe gegeben, einen Arbeitsplatz im erlernten Beruf zu bekommen. Der Angeklagte erzählt von zahlreichen Bewerbungen und Absagen. Entsprechende Unterlagen hat er nicht dabei. Die Mitarbeiterin des Hattinger Jobcenters, die ihn allerdings nur ganz kurz als Vertretung betreute, berichtet als Zeugin von seinen „ernsthaften Bemühungen“.

Umschulung als Busfahrer

Als Zeitungszusteller habe er kurzzeitig gearbeitet, erinnert sich der 51-Jährige. Aber immer rein ins Auto, raus aus dem Auto, das sei ihm nicht bekommen. Rückenschmerzen plagen ihn. Zum Arzt ging er nicht damit. Er nehme frei verkäufliche Schmerztabletten. Dann kam es auch noch zu einem Missverständnis mit dem Jobcenter. Das bot ihm schon vor einiger Zeit eine Umschulung als Busfahrer an.

Auflage des Gerichts

Da habe er ein Darlehen aufnehmen müssen, klagt der Architekt, und das müsse man zurückzahlen. Das wäre finanziell eine zu hohe Belastung gewesen, meint er.

„Nein, nein“, weiß die Jobcenter Mitarbeiterin. Da müsse man nichts selber bezahlen. Das habe er falsch verstanden, meint der Angeklagte. Und nun kommt er, falls noch ein Platz frei ist, doch noch zur Umschulung, so die Auflage des Gerichts.