Auftrag aus Afrika
29.09.2008 | 19:06 Uhr 2008-09-29T19:06:40+0200Gambias Regierung will die Hattinger Buschklinik in Jahaly zum Vorbild für drei Gesundheitszentren machen.Matthias Ketteler und Klaus Steinbrink von der Projekthilfe Dritte Welt prüfen zunächst den Zustand der Häuser
Wasser und Strom rund um die Uhr. Eine Notfallambulanz, die immer besetzt ist. Ein massiver Bau aus Steinen, geflieste Räume, Labor und Kinderstation - das zeichnet die Hattinger Buschklinik Jahaly in Gambia aus. Die soll jetzt Vorbild werden: für drei Gesundheitszentren in dem afrikanischen Land. Matthias Ketteler und Klaus Steinbrink fliegen nun nach Gambia, um sich ein Bild von den drei Häusern zu verschaffen. Sie gehören zum Verein "Projekthilfe Dritte Welt", der die Buschklinik gebaut hat und finanziert.
Die afrikanischen Zentren sollen auf den Stand der Hattinger Buschklinik gebracht werden. Der Auftrag dafür kommt von der gambischen Regierung. "Darüber haben wir uns gefreut, weil es gut für unseren Ruf ist und uns bestätigt, dass wir in dem Land führend sind", sagt Ketteler. Führend mit ihrer Buschklinik, die der 47-jährige Krankenpfleger und weitere ehrenamtliche Mitstreiter 1991 eröffneten.
Bereits 1985 haben sieben Mitglieder den Verein "Projekthilfe Dritte Welt" gegründet. Um Menschen in Not zu helfen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie wählten das westafrikanische Dorf Jahaly mit 4000 Bewohnern, meistens Bauern.
Heute werden rund 23 000 Menschen jährlich in der Buschklinik mit 45 Betten versorgt, seit der Eröffnung waren es 330 000. Häufig kommen sie mit Malaria, Durchfällen oder Lungenentzündungen. Krankenpfleger kümmern sich um die Patienten: Kinder und Erwachsene. Für Operationen fahren die Mitarbeiter der Ambulanz sie ins 80 Kilometer weit entfernte Krankenhaus.
Was es in Jahaly dank der Ehrenamtlichen und vieler Spender seit 2004 gibt: einen Vorschul-Kindergarten für 224 Mädchen und Jungen. Außerdem unterstützt der Verein drei Gärten. Frauen bewirtschaften sie, bauen Tomaten, Gurken und Zwiebeln an.
Matthias Ketteler fliegt dreimal im Jahr in sein Büro nach Gambia und in die Buschklinik. Am Sonntag startet sein Flieger wieder. Er wird mit Klaus Steinbrink die afrikanischen Gesundheitszentren unter die Lupe nehmen. Am Montag sprechen sie mit dem Gesundheitsminister. "Erste Gespräche haben wir im März geführt", sagt Ketteler. Daher habe sie der Auftrag, der jetzt schriftlich kam, nicht überrascht. Die Hattinger verschaffen sich zunächst in drei bis vier Tagen ein Bild von den Zentren und ihrer Bausubstanz. Mit Fotos und Berichten werden sie den Zustand dokumentieren. Um auf der Grundlage mit den afrikanischen Politikern zu verhandeln.
"Wir würden den Bau oder die Renovierung übernehmen", sagt Ketteler. Und der Regierung das fertige Haus übergeben. Was sie nicht tun werden: laufende Kosten übernehmen oder Politikern Geld in die Hand drücken. Voraussetzung für die Hattinger ist, dass sie den Bau und die Finanzen kontrollieren. Geld werden sie wohl beisteuern müssen. "Denn die Regierung ist knüppelarm", weiß Ketteler. Und für die Ehrenamtlichen sei es jetzt etwas einfacher, Spender zu finden: als Partner der Regierung.
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