Aufgelesen

Blick auf das Twitter-Profil von Dr. Henning Clausmann-Werbenwächter.
Blick auf das Twitter-Profil von Dr. Henning Clausmann-Werbenwächter.
Foto: Funke Foto Services

Hattingen..  Und plötzlich war er da: Dr. Henning Clausmann-Werbenwächter. „Ihr Bürgermeisterkandidat für Hattingen“, wie er sich seit Montag auf einer Internetseite selbst bezeichnet. Auf seinen Profilen bei den sozialen Plattformen Facebook, Google+ und Twitter – mehr Spuren gab es zur Person (noch) nicht.

Die WAZ-Redaktion machte sich an die Recherche. Kontaktierte Clausmann-Werbenwächter, bat um ein Gespräch. Bekam schnell Antwort: „Gerne können Sie mir Fragen mailen, telefonisch wird es schwierig, ich bin zurzeit beruflich in den Outbacks unterwegs.“ Wir stutzen, kennen nur ein Outback. Haken nach, wann er zurück ist. „Ich denke, dass ich Mitte/Ende Februar wieder in Deutschland sein werde.“ Zwischenzeitlich wechselt seine Beschreibung bei Facebook von „Politiker“ zu „Fiktiver Charakter“ zu „Person des öffentlichen Lebens“.

Dann twittert er einen Link zu seiner Biografie – kurz zum Inhalt: Henning Clausmann-Werbenwächter am 1. April (!) 1975 in Windhoek (Namibia) geboren worden, verheiratet, vier Kinder. Abitur in Hamburg, Studium der Soziologie, Politologie und Philosophie in Münster und Heidelberg, Promotion 2006 über den Dichter Georg Trakl in Wien. Nach eigener Angabe arbeitete er vier Jahre für ein Logistik-Unternehmen in Chicago. Jetzt sei er Unternehmensberater sowie Autor von Ratgebern und Schulbüchern. Familie Clausmann-Werbewächter lebe in Adelaide (Australien). Als Hattinger Adresse gibt er das Rathaus an, sonst gibt es keine Berührungspunkte mit der Stadt.

Publikationen sind unter seinem Namen keine zu finden. Die Bilder, die er nutzt, stammen von einem Themenbilderdienst. Seine erste Pressemitteilung (Lebenslauf) veröffentlichte er Donnerstag auf Facebook, schickte sie aber nicht an die Presse. Darin ist er schon 40 Jahre alt.

Jeder mag sich sein eigenes Bild machen (täglich beschreibt er eines von 100 Zielen): bei Facebook unter ­„BMfuerHattingen“, bei Twitter unter @BMfuerHattingen, bei Google+ ist er inzwischen verschwunden. Was er auf jeden Fall braucht, um kandidieren zu dürfen: 230 Unterschriften von Bürgern, die ihn unterstützen – aus Hattingen, nicht aus dem Outback.