Das aktuelle Wetter Hattingen 19°C
Flüchtlinge

Asyl in Kirche gegen Abschiebung

01.01.2016 | 16:23 Uhr
Asyl in Kirche gegen Abschiebung
Garabet Wanes (26), Christ aus Syrien, lebt seit Oktober 2014 in Sprockhövel und erhielt Kirchenasyl in der evangelische Kirche Haßlinghausen. Foto:Speckenwirth

Sprockhövel.   Flüchtling würde sehr gerne in Sprockhövel bleiben, wenn er eine Aufenthaltsgestattung bekommt. Für die fehlen aber noch Unterlagen

Als die Polizei bei Garabet Wanes’ einstiger Wohnung vorbei schaute, war er längst verschwunden. Dabei war er nicht weit entfernt, sicher im Kirchenasyl auf dem Gelände der evangelischen Gemeinde Haßlinghausen-Herzkamp-Silschede.

Rückblick: Mitte September informierten Pfarrer Michael Helmert, Pfarrer Thomas Bracht, Miriam Venn von der Flüchtlingshilfe und Harald Bertermann, der Öffentlichkeitsreferent des Evangelischen Kirchenkreises Schwelm, über Garabets Schicksal ohne Namen und Aufenthaltsort zu nennen (wir berichteten). Ihm drohte die Abschiebung nach Italien.

Das Kirchenasyl war ein Spiel auf Zeit. Bis zum Ablauf der Überstellungsfrist fehlte nicht viel. Danach wäre Deutschland für den Asylantrag zuständig gewesen. Der Plan ging auch fast auf. Garabet hat wieder den Status: geduldet. Für seine Aufenthaltsgestattung fehlen jedoch wichtige Unterlagen. „Garabets Anwältin macht gerade Druck beim Ministerium, damit es vorangeht“, sagt Miriam Venn von der Flüchtlingshilfe.

Denn das Problem war: Garabet, erstmals in Italien registriert, hätte nach der Regelung des Dublin-Abkommens wieder dorthin zurück gemusst. „Italien klingt ja nicht so schlimm, dachte ich, bis ich mich informierte“, sagt Pfarrer Bracht. Die Lebensumstände für Flüchtlinge seien dort menschenunwürdig. „Dazu gibt es auch einen entsprechenden Beschluss der Landessynode.“ Garabet musste das am eigenen Leib spüren. Gewalt war an der Tagesordnung. „Essen gab es einmal am Tag, wenn überhaupt“, erzählt er. Sein Schlafplatz war ein Zimmer ohne Einrichtung. Wenn er überhaupt Schlaf fand, dann auf dem Fußboden, bis er nach nur wenigen Stunden vom nächsten Flüchtling abgelöst wurde.

Sein Kirchenasyl hat ihm die Gemeinde so angenehm wie möglich gestaltet. Er konnte sogar an den Gottesdiensten teilnehmen „Ich durfte auch Besuch empfangen, sogar mein Deutschkurs wurde hierher verlegt.“ Nur ganz selten habe er sich etwas einsam gefühlt. Und natürlich sei das Warten auf den letzten wichtigen Bescheid über seine Aufenthaltsgestattung ein wenig anstrengend.

Wenn es dann endlich so weit ist, werde er wohl in Sprockhövel wohnen bleiben. „Es ist keine große Stadt, aber man kommt hier schnell mit den Menschen in Kontakt und lernt sie kennen.“

Übrigens: Wer noch etwas mehr über Garabet erfahren möchte, der sollte zum aktuellen Gemeindebrief „Der Schwan“ greifen. Mit Unterstützung von Ulrich Joost beschreibt Garabet dort, wie er in Syrien als armenisch-orthodoxer Christ das Weihnachtsfest feierte.

Bastian Haumann

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Für Gregor Meyle wird Traum wahr
Bildgalerie
Zeltfestival Ruhr
Elfringhauser Schweiz
Bildgalerie
Maislabyrinth
Denkmalserie Hattingen
Bildgalerie
Freiheit
Helge Schneider lässt es knacken
Bildgalerie
Lachsalven im Zelt
article
11421834
Asyl in Kirche gegen Abschiebung
Asyl in Kirche gegen Abschiebung
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/hattingen/asyl-in-kirche-gegen-abschiebung-id11421834.html
2016-01-01 16:23
Hattingen