Architekten bauen für 350 Millionen

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Planer von RDS Partner haben eines der größten zivilen Projekte Deutschlands umgesetzt – das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems.

Hattingen..  Wenn Forscher sich aus aktuellem Anlass zur Vogelgrippe oder anderen Tierseuchen äußern, sind es meist jene des renommierten Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems. Die verantwortlichen Architekten für den Neubau kommen aus Hattingen: Die Planungsgesellschaft RDS Partner agierte dabei zusammen mit dem ­Schweizer Unternehmen Itten und Brechbühl.

„Stuttgart 21, der Bau des Berliner Flughafens, man hört immer von den Großprojekten, die nicht klappen, aber wenig von denen, die erfolgreich realisiert werden“, so Peter M.H. Damm, geschäftsführender Gesellschafter von RDS Partner mit Sitz in einer wunderbaren Villa an der Schleusenstraße 5 gleich neben der Birschel-Mühle.

350 Millionen Euro investierte die Bundesrepublik in das FLI, das eines der größten zivilen Bauprojekte der Bundesrepublik ist und schon im Planungszustand eingeflossen ist in den großen Band „Architekten der Demokratie 1990-2010“. 2014 war die architektonische Erneuerung des FLI Thema in der renommierten Fachzeitschrift Bauwelt. Die Labore im Institut, eines der fünf modernsten Forschungsinstitute für Tiergesundheit weltweit, müssen die höchste Sicherheitsstufe erfüllen: „Es sind gasdichte Räume und die Forscher arbeiten darin nur in Raumanzügen“, so Damm. Ende 2013 waren die Labore fertig. „Dann laufen aber erst noch Probestufen, 2014 war die Biosicherheit dann da“, so Damm. Noch gebaut werden gerade 300 Parkplätze.

Mit der äußeren Gestaltung wollten die Architekten „nach außen transportieren, was an Funktionen da ist“. Eine Großform fanden sie für ein Institut dieser Bedeutung richtig. „Dabei haben wir darauf geachtet, dass die Gebäude mit der Landschaft verträglich sind“, erklärt Damm. Entstanden sind zwei parallel laufende, 230 Meter lange, aber dafür flache Riegel mit einer so genannten „inneren Straße“ als zentraler Erschließungsader. Und trotz aller Funktionalität kam das Aussehen nicht zu kurz: Erwähnt seien bunte Folien auf Glasflächen, kleine, dem Austausch dienende Lichthöfe des Labortrakts mit Torfbrandklinker.

Die Ställe sind innen flexibel, „nirgends berühren die Stallungen die Außenwände“, so Damm. Der Wittmunder Klinker für die Fassaden wurde speziell für das Gebäude gebrannt. „Das Material ist extrem haltbar“, erklärt Damm, dessen Philosophie ist: „Die Leute müssen unsere Fans werden.“ Damit das so ist, achtet er mit seinem Team auf Details. Ein Beispiel: Den Konferenztisch an der Schleusenstraße 5 hat er so gestaltet, dass auch die mit dem Rücken zum Fenster, das Ausblick auf die Ruhr bietet, das Wasser sehen können – dank der Tischform und eines Spiegels im ehemaligen Kamin.

Auf der Insel planten die Hattinger nicht nur die Labore – allesamt mit Blick auf die Ostsee – und die Ställe inklusive innerer Straße, sondern auch den Ergänzungsbau zum historischen Gebäude. Karree wird das u-förmige Gebäude jetzt in Kombination mit dem denkmalgeschützten Altbau genannt. Auffälliges architektonisches Element ist eine Reihe von sehr schlanken Pfeilern aus geätztem Beton. Mit den Laboren ist das Karree über eine verglaste Brücke verbunden.

„Wir sind stolz auf das Projekt, mit dem 50 bis 60 Mitarbeiter befasst waren“, so Gesellschafter Volker Brachvogel. Zweimal pro Monat seien die Hattinger vor Ort gewesen. „Manche haben vor Ort gewohnt.“ Insgesamt umfasst der Bau eine Bruttogrundfläche von 69 000 Quadratmetern. 25 000 Meter Lüftungsrohre wurden verbaut, 130 000 Meter Rohrleitungen verlegt, über eine Millionen Meter Kabel waren nötig. Einen Gag haben die Planer auf eigene Kosten eingebaut: 300 vergoldete Steine, die in der Sonne reflektieren.