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Angela und der Zeitgeist

18.01.2016 | 19:00 Uhr
Angela und der Zeitgeist
Foto: dpa, Monika Skolimowska

Hattingen.  Merkel als zweiter Vorname: Die Gewissensfrage stellt sich in Hattingen mangels Geburtsklinik nicht. Standesbeamte: Eltern können Namen einklagen.

Nomen est omen – der Name ist Programm: Ein syrisches Paar aus Duisburg hat seine Tochter nicht nur Angela, sondern mit zweitem Vornamen Merkel genannt. Wie sehen Standesbeamte das, ist es sinnvoll und wer entscheidet, was durchgeht? Die Antwort auf die Entscheiderfrage: im Prinzip die Eltern. Und ja: Wenn gewünscht, würden unter Umständen auch durch Hattinger Kitas kleine Angela Merkels krabbeln. Wobei im Zweifelsfall die Entscheidung dem Gericht überlassen würde.

Für Angelika Beinroth, Leiterin des Standesamts an der Bahnhofstraße, stellt sich die Gewissensfrage selten. Sie hat nicht viel zu registrieren, seit es in Hattingen keine Geburtsklinik mehr gibt: Im laufenden Jahr gab es eine Hausgeburt, 2015 insgesamt zwei, so dass kaum Geburten vor Ort zu beurkunden waren. „Der Vorname muss das Geschlecht erkennen lassen“, sagt sie. Das tut es bei Angela eindeutig. Die Frage sei in Bezug auf den Merkel-Zusatz aber auch: „Tut man dem Kind einen Gefallen damit?“

Das Standesamt in Witten registrierte im Vorjahr über 2000 Geburten. Wie viele Hattinger darunter waren, kann Leiter Volker Banhold, der selbst Hattinger ist, nicht sagen, auf jeden Fall viele. Denn 60 bis 65 Prozent der Eltern, die ihre Kinder registrieren lassen, kommen aus anderen Städten. In der Rechtsprechung habe sich einiges verändert, so Banhold. Eltern könnten zwar unterschiedliche Familiennamen haben, das Kind aber nur den von Mutter oder Vater, keinen Doppelnamen. Ein Johann könnte als zweiten Vornamen Meier bekommen von demjenigen Elternteil, der beim Nachnamen nicht zum Zug gekommen ist.

In einem solchen Fall würde Angelika Göbel, Leiterin des Standesamtes Schwelm, ein Veto einlegen. In der Kreisstadt wurden im Vorjahr 700 Geburten registriert, darunter „viele Auswärtige, auch aus Hattingen“. Die Zahl der Hattinger oder der Auswärtigen kann sie nicht benennen.

Bei ausländischen Paaren, so Angelika Göbel, gebe es ein anderes Vornamensrecht. Während Volker Banhold Eltern eher auch als beratungsresistent erlebt, was ungewöhnliche Vornamen angeht, hat Angelika Göbel „nicht viele Schwierigkeiten“. In Schwelm wurden einige Angelas registriert – mit Verweis auf die Bundeskanzlerin, aber ohne Merkel-Zusatz.

Hebamme Jennifer Dieselhorst findet manche anderen Vornamen stigmatisierend, weil sie auf eine bestimmte soziale Schicht schließen lassen würden. Die Hebammenpraxis an der Hattinger Bahnhofstraße betreut im Jahr insgesamt mehr als 200 Babys sowie deren Mütter vor, während und nach der Schwangerschaft. Letztendlich, so Standesbeamter Banhold, spiegelt sich im Vornamen der Geschmack der jeweiligen Zeit.

Brigitte Ulitschka

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Angela und der Zeitgeist
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2016-01-18 19:00
Hattingen