Anderen Menschen nicht weh tun
18.05.2009 | 18:42 Uhr 2009-05-18T18:42:00+0200Ob das Schicksal der ukrainischen Zwangsarbeiterinnen auch sie selbst verändert hat? Die Jugendlichen denken mehr darüber nach, ob sie anderen Menschen wehtun, sie diskriminieren.
„Ich bin nicht mehr so unzufrieden”, sagt ein Mädchen. Seit es gesehen hat, unter welchen Umständen alte Frauen noch heute in der Ukraine leben. Ein Jugendlicher beanstandet, dass Frauen in Marokko nicht die gleichen Rechte haben wie Männer.
Die Schicksale, die an den Wänden der Gesamtschule auf Schautafeln festgehalten sind, gehen den Schülerinnen und Schülern nahe. Sie haben einiges in Bewegung gesetzt in den Köpfen der jungen Leute. Der „Riss durchs Leben”, wie die Ausstellung heißt, beschreibt die Lebenssituationen von zehn ukrainischen Frauen, die im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiterinnen waren. Nicht weit weg, in Wuppertal, verloren sie ihre Kinder oder brachten sie unter unvorstellbaren Umständen zur Welt. Waren hochschwanger nicht nur harter Arbeit ausgesetzt, sondern Demütigung. Frauen, die die Großmütter der jungen Schüler sein könnten. Und die die Erzählungen der eigenen Großeltern und Eltern vom Krieg inzwischen ganz anders verfolgen.
Etwa 300 Menschen haben die Ausstellung bisher gesehen. Darunter wenige Jugendliche aus anderen Schulen. „Alle müssten sie sich ansehen”, findet nicht nur die 7f von Rainer Kokenbrink. Dass sie in der Hattinger Gesamtschule und damit zum ersten Mal überhaupt in einer Schule hängt, kommt nicht von ungefähr.
Seit 1993 kümmert sich eine Projektgruppe in Form einer Patenschaft um die Pflege und Würdigung des Ehrenfriedhofs für russische Zwangsarbeiter an der Maasbecke im Ludwigstal. „Ich hatte noch nie Mühe, Schüler dafür zu begeistern”, sagt der Lehrer. Die Ausstellung soll ein weiterer Baustein der Projektarbeit sein, mit dem Erinnerungen wach gehalten werden. Es gebe viele Möglichkeiten und Fächer, die Ausstellung in den eigenen Unterricht einzubauen, wirbt Kokenbrink. Marina findet die Auseinandersetzung wichtig, weil es auch heute „Nazis gibt und Menschen, die gegen Ausländer sind.” Luisa haben die Schicksale sehr traurig gemacht. Sie findet es wichtig sich zu engagieren. Jennifer schließt sich der Meinung an, dass „so etwas nie wieder passieren darf”. Lokmen macht sich stark auch für die Rechte von Frauen. Es sei wichtig, diese schlechten Erinnerungen öffentlich zu machen, finden die Schüler. Und sich auf die Schicksale einzulassen. Sehr erwachsen wirken schon 13-Jährige in der Diskussion. Auch ihrem Lehrer kommen sie auf einmal sehr reif vor.
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