Am Anfang war die Propstei

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Was wir bereits wissen
Die Geschichte der Gethmannschen Häuser in Blankenstein reicht bis in das Jahr 1581 zurück. Seit anderthalb Jahren steht das Ensemble zum Verkauf.

Hattingen..  Ein Denkmal steht zum Verkauf. Die Gethmannschen Häuser an der Hauptstraße 26 und 28 sind im Angebot. Und mit dem Herrenhaus, das im Jahr 1821 errichtet wurde, gibt es sogar einige Teile dazu, die um einiges älter sind.

Denn gebaut wurde das Haus auf den Überresten einer alten Propstei. Zu Zeiten des Drosten Johann von der Recke erwarb dessen Bruder Heinrich ein großes Grundstück in Blankenstein. Er, damals Probst zu Köln, baute hier um das Jahr 1561 das einzige Patrizierhaus Blankensteins in alter Zeit – die Propstei. Dort verbrachte er seinen Lebensabend.

Zweigeschossiger Klassizismus

Carl Friedrich Gethmann erwarb das Grundstück von der Familie von Quadt-von der Recke etwa zweieinhalb Jahrhunderte später und errichtet auf den Grundmauern der Propstei das zweigeschossige klassizistische Wohnhaus. Gebaut ist es im Stil des Bergischen Landes. Ein Sockel an der Straßenseite des Gebäudes verweist noch auf die Propstei, die hier einst stand mit der Inschrift Hv1561dR – Heinrich von 1561 der Recke. Dazu verewigte der Bauherr sich und seine Gattin mit der Inschrift CFG 1821 TGgK (Carl Friedrich Gethmann 1821 Theresia Gethmann geborene Köhler). Im Keller des Gethmannschen Hauses findet man zudem noch dem Gewölbekeller der alten Propstei.

Das Haus übrigens machte Gethmann seinem Sohn Wilhelm Anton zum Geschenk an dessen 30. Geburtstag. Dessen Sohn Carl Gethmann, Bürgermeister-Stellvertreter von 1872 bis 1882, erbte die Propstei. Von seinen Nachkommen wohnte dort Carl Friedrich Gethmann, Amtsgerichtsrat in Hattingen. Nach zwei Währungsreformen blieb die Propstei einziger Gethmannscher Besitz in Blankenstein und ging an die fünf Kinder Carl Friedrichs.

Nach dem Tod Irmgard Lehmanns im Jahr 1999 teilten sich zehn Erben das Anwesen. „Mit dem Verkauf der Propstei und des Mobiliars durch die Erbengemeinschaft im Jahre 2000 endet die Familiengeschichte in Blankenstein“, schreibt Alfons Maria Gethmann zum 200. Geburtstag des Gethmannschen Gartens.

Mit dessen Bau wurde übrigens bereits deutlich vor dem des Terrassengartens begonnen, der die Wohnhäuser Hauptstraße 26 und 28 verbindet.

Das einstöckige Gebäude gegenüber der ehemaligen Propstei diente ursprünglich als Scheune. Entsprechend zeigen alte Fotos auf der Rückseite ein großes Scheunentor. Später standen hier Webstühle. Inzwischen wird das Haus auch Schule genannt – vermutlich erhielten die Kinder der Familie hier Privatunterricht – eine öffentliche Schule war es nie.

Bereits seit anderthalb Jahren steht das gesamte Ensemble nun zum Verkauf. „Das ist ein richtiges Liebesobjekt, keine klassische Geldanlage“, betont Makler Jahn Topeit. Immerhin umfasst das Areal 6000 Quadratmeter – einschließlich des Terrassengartens, der ebenfalls mit unter Denkmalschutz steht. Das gilt es, sollten die Gethmannschen Häuser getrennt verkauft werden, durchaus zu beachten. „Das Gartendenkmal ist der Hausnummer 28 zugeordnet“, erklärt Denkmalpfleger Jürgen Uphues.

Beide Häuser haben einen Brunnen

Um dem Denkmalschutz gerecht zu werden, muss der Terrassengarten mit seinen Sichtachsen erhalten bleiben. Zwar sind nicht die spezifischen Gewächse vorgeschrieben, aber die Gestaltung des Gartens. Würde der nun im Zuge eines getrennten Verkaufs geteilt, würden genaue Vorschriften nötig, damit beide Parteien gleich zur Erhaltung der Optik beitragen.

Übrigens gibt es in beiden Häusern einen Brunnen – die Bewässerung des Gartens ist also sichergestellt.