Alter und Pflege im Blickpunkt

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Emmy-Kruppke-Heim in Welper beteiligt sich am Internationalen Tag der Pflege und feiert mit Bewohnern und Besuchern.

Hattingen..  Von ihrem Büro aus sieht Heimleiterin Ursula Champignon streikende Erzieherinnen und Sozialarbeiter mit Trillerpfeifen und Verdi-Westen vorbeiziehen. Im Emmy-Kruppke-Seniorenheim in Welper stehen die Zeichen nicht auf Streik. Im Gegenteil. Feste gefeiert wurde am Dienstag. Um Arbeitsbedingungen allerdings geht es hier ebenfalls. Sie sollen auch in Zukunft so gestaltet sein, dass Mitarbeiter und Bewohner gleichermaßen gut damit leben können.

Am Dienstag leben sie sehr gesellig damit. In mehreren Reihen hintereinander sitzen Bewohnerinnen und Bewohner im Foyer und verfolgen ein buntes Programm mit Musik. Und singen auch selbst lautstark mit – etwa das Geburtstagsständchen für Helmut Gräbe, laut Heimleiterin „ein Welperaner Urgestein.“ Der Jubilar wird an diesem Tag 86 Jahre alt. Elfriede Sorgenicht, die älteste Bewohnerin im Haus, erhebt ebenfalls ihr Glas auf das Geburtstagskind. Ihren eigenen Geburtstag, den 101., hat die alte Dame bereits in der vorigen Woche gefeiert.

Die 101 Plätze im Haus sind alle belegt. Die jüngste Bewohnerin ist nach mehreren Schlaganfällen auf Pflege angewiesen. Sie hebt mit ihren 53 Jahren den Schnitt. Die Heimleiterin schätzt, dass fünf Sechstel über 80 sind. Anders als früher, kämen heute auch keine älteren Herrschaften mehr vorbei, um sich das Haus anzusehen und einen Platz zu sichern. „Das ist der absolute Ausnahmefall. Ich habe ihn in meinen zweidreiviertel Jahren hier noch nicht erlebt“, sagt Ursula Champignon. Die meisten kämen nach Erkrankungen in der Klinik.

Manche bekommen keinen Platz im Hospiz und wollen eigentlich nur ihre letzten Tage im Seniorenheim verbringen. Oft wird viel mehr Zeit daraus als zunächst erwartet. „Viele bekrabbeln sich“, freut sich Ursula Champignon. Zumindest Menschen, die zu Hause völlig isoliert gelebt haben und denen die Gesellschaft im Haus dann besonders gut tut.

Am internationalen Tag der Pflege soll es auch um den Nachwuchs und um die Bedeutung der Ausbildung in der Pflege gehen. „Wir sind gut besetzt“, sagt Ursula Champignon. Und meint damit die 55 bis 60 Personen in der Pflege und die Kräfte in Ausbildung. Eine Auszubildende, die das Haus gern übernommen hätte, hat ihr Herz für die Lebenshilfe entdeckt. Was die Heimleiterin freut, auch wenn sie die Kraft gern behalten hätte. Aufmerksam machen möchte das Haus, nicht nur an diesem Tag, auch auf gute Arbeits- und Aufstiegschancen für examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger. Viele arbeiteten auch beim Medizinischen Dienst.