Als Mike Krüger die Hattinger Großtankstelle eröffnete

Marieta Meier hatte bis 1991mit ihrem Mann eine Aral Tankstelle an der Nierenhofer Straße.
Marieta Meier hatte bis 1991mit ihrem Mann eine Aral Tankstelle an der Nierenhofer Straße.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Franz-Josef und Marieta Meier erinnern sich an alte Tankstellen-Zeiten. Das Paar betrieb zunächstdie Anlage an der Nierenhofer Straße und wechselte später an den Standort weiter südlich.

Hattingen..  Gemütlich einen Plausch halten und einen Kaffee dabei trinken. Bei schönem Wetter auch draußen auf dem Stuhl hocken, mit der Kasse auf dem Schoß – der Verkaufsladen maß nur acht Quadratmeter. Wenn ein Wagen zum Tanken kam, dann gab es den vollen Service: „Einmal tanken hieß auch Luftdruck messen und Windschutzscheibe putzen.“ Franz-Josef Meier erinnert sich an seine Arbeit an der Tankstelle an der Nierenhofer Straße. Er und seine Frau betrieben gleich zwei Tankstellen: zunächst die nördlich des Viadukts. Das war in den 1970er und 1980er Jahren. „Da war noch alles grüne Wiese“, erinnert sich Franz-Josef Meier. „Eine richtig schöne Lage, mit Tannen rundherum“, fügt Marieta Meier hinzu.

Bis die große Baustelle für die Westtangente eingerichtet wurde. „Wir haben uns schon gewundert, dass keiner mehr kam“, sagt sie. „Uns hat keiner Bescheid gegeben. Und eine Entschädigung haben wir nie bekommen.“ Zwischenzeitlich war die Hauptstraße komplett gesperrt. Nur über einen kleinen Schotterweg kamen die Stammgäste vorbei.

Tankwart und Deutschlehrer

Darunter Gastarbeiter vom O&K- Werk gegenüber. „Wie er mit denen Deutsch geübt hat. Die waren dankbar und haben es ihren Landsleuten erzählt“, sagt Marieta Meier. Einer der türkischen Arbeiter des Werks ist der Familie besonders in Erinnerung geblieben: Kemal war Mitte der 1970er Jahre an Weihnachten zu Besuch bei der Familie Meier. „Da war ja alles zu, damals. Wir haben ihn zu uns eingeladen. Er brachte uns Schokolade mit und unserem Sohn Spielsachen“, schwärmt Marieta Meier. Die Tankstelle hat den Bau der Umgehungsstraße überlebt. Ende der 1970er Jahre gab es dort die erste Autowaschanlage der Stadt. Das Angebot ist größer geworden, der Service wurde dafür abgeschafft. „Damals waren es keine Supermärkte“, erinnert sich Franz-Josef Meier. Das ist der große Wandel der Zeit.“ Die Preise mussten per Hand aktualisiert werden – nicht nur an den großen Schildern an der Tafel, auch an der Zapfanlage musste gedreht und geschraubt werden, damit der richtige Preis für den Sprit dransteht. Das dauerte bis zu einer Stunde manchmal. „Du hast geschimpft wie ein Rohrspatz, wenn das mehrmals am Tag war“, erinnert sich Marieta Meier.

Sie war für das Kaufmännische zuständig, ihr Mann war gelernter Kfz-Meister und konnte auch Reparaturen anbieten – bekannt wurde er als Spezialist für die Ente von Citroen. Als einen Steinwurf entfernt eine neue Tankstelle gebaut wurde, rechneten beide alles durch und wechselten auf das größere Gelände weiter südlich. Zur Eröffnung der neuen Tankstelle kamen sogar die TV-Unterhalter Mike Krüger und Rudi Carrell, samt Wohnwagen mit holländischem Kennzeichen. Von drei auf 23 Angestellte – das war ein Sprung „von der kleinen Quietsche zur Großtankstelle“, so Franz-Josef Meier. Mittlerweile sind beide im Ruhestand.