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Hartz IV und Kinderarmut

Alisa ist arm

18.02.2010 | 16:38 Uhr
Alisa ist arm

Mädchen und Jungen erzählen, was Armut für sie bedeutet. Und wie sie diese spüren, wenn andere auf sie zeigen.

Was arme Kinder sind, das weiß Alisa* ganz genau: „Die haben nicht so schöne Sachen.” Die Zwölfjährige hat selbst erfahren, wie das ist, wenn andere Kinder mit den Fingern auf sie zeigen: „Alisa, Du hast so hässliche Kleider an”, haben sie gerufen. Alisa ist aus dem Raum gelaufen und hat geweint. Die anderen sollen ihre Tränen nicht sehen. Manchmal weint sie auch zu Hause. Ihre beste Freundin tröstet sie dann. Mit ihr spricht sie, wenn es ihr schlecht geht.

Das vor den anderen zuzugeben, das wollen die Kinder auf keinen Fall. „Sonst blamiert man sich”, erklärt Sarah (12). Wenn man arm sei, könne man sich nichts leisten. „Meine Mama hat ein bisschen Arbeit”, sagt sie. Sie bekomme sechs Euro die Stunde in einem Hotel. „Sie kriegt nicht so viel Geld wie früher. Aber sie spricht nicht darüber.”

Früher hat ihre Mutter in der Pizzeria gearbeitet. Heute kann sich Sarah nicht alles kaufen. „Ich habe mal ganz viele Kaugummis in den Einkaufswagen gelegt”, berichtet sie. Dann hat sie alle wieder ins Regal geräumt. Mama hat ihr eins gekauft. Sie müssen sparen. Sarah kennt auch andere Kinder, denen es so geht: „Martina ist arm, die trägt fast immer die gleichen Kleider”. Sarah ist sparsam. „Vom Taschengeld kaufe ich Geschenke für meine Freunde.” Das letzte Mal gab es Haarspray.

Ein Skateboard wünscht sich Sebastian (9). Sie seien gar nicht so arm, sagt Sebastian: „Wir haben ein bisschen Geld.” Früher hat seine Mutter an einer Supermarkt-Kasse gearbeitet. Jetzt gibt es kein Geld mehr für das Skateboard. Das sei zu teuer, hat ihm seine Mutter erklärt. Sebastian war traurig: „Arme Leute haben kein Geld”, hat er gelernt. „Die müssen sich aber nicht schämen, das ist normal.”

Von Hartz IV hat Tobias (10) mal in den Nachrichten gehört. „Die arbeiten nicht”, fällt Marcel (9) dazu ein. Die beiden Jungen sind genau wie Alisa und Sarah zur Tafelrunde gekommen. Dreimal in der Woche essen sie mittags dort. In der ersten Etage machen sie ihre Hausaufgaben. Dort sitzt auch Alisa am Tisch. Zwischendurch erzählt sie, ganz leise. Ein schüchternes Mädchen mit langen Haaren und großen Augen.

Ihre Freundin fahre in den Ferien immer weg. Alisa hat noch nie Urlaub gemacht. Sie bleibt mit ihren drei Brüdern und drei Schwestern daheim. Ihr Vater hat auf einem Reithof gearbeitet und Tiere gefüttert, erzählt Alisa. Die Arbeit hat er verloren und versucht, neue zu finden. Das hat nicht geklappt. „Jetzt kocht er, räumt auf und guckt Fernsehen”, sagt seine Tochter.

Auch sie hilft ihrer Mutter zu Hause. Die hatte eine Stelle als Putzfrau. „Aber nur drei Wochen”, sagt Alisa. Als sie sich mal einen neuen Pulli gewünscht hat, hat ihre Mutter erklärt, dass sie dafür zu wenig Geld haben. In der Schule sagen die Kinder manchmal über Alisa: „Die ist arm.” Wenn ihre Eltern über die Situation sprechen, geht es Alisa ein bisschen schlecht, sagt die Zwölfjährige mit gesenktem Blick.

Bei der Frage, was sie später einmal machen will, schaut sie aber sofort wieder auf. Gar nicht mehr traurig. Sie überlegt nicht, antwortet gleich: „Kindergärtnerin.” Dafür strengt sie sich jetzt schon richtig an: „Ich will ganz gut in der Schule sein”, sagt Alisa und lächelt.

*alle Namen geändert

Dominika Sagan

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Kommentare
19.02.2010
17:40
Alisa ist arm
von Diethelm Koschinsky | #7

Wenn die Regelleistungen schon nicht erhöht werden, sollte dieses im reichen Deutschland machbar sein:

sofortige Einführung von kostenlosen Mittagessen für alle Kinder (auch ohne ALGII) in allen Ganztagsschulen und KITAS.

Kostenlose Klassenfahrten für ALLE Kinder

Schule darf kein Geld kosten (Bücher etc.)
bezahlbare Ferienfreizeiten für alle Kinder

Einführung eines bedingungslosen Grundbetrag für Familien mit Kindern, der den Bezug ALGII überflüssig macht

kostenloses Studium für ALLE

kostenlose Nachhilfe direkt in den Schulen!

Des weiteren sollte ein bedingungsloses Grundeinkommen für Familien mit Kindern eingeführt werden, damit der Marathonlauf durch den deutschen Beamtenapparat ein Ende hat. Dieses ist so hoch anzusetzen, dass Familien mit Kindern nicht auf HARTZIV angewiesen sind.

Geldeinsparungsmöglichkeiten gibt es genug im reichen Deutschland, um hier nur einige zu nennen:

Abschaffung der 147 überflüssigen Krankenkassen, um die Beiträge und den staatlichen Zuschuss zu senken!

sofortiger Rückzug weltweit der Deutschen Soldaten!

Einführung von Zwangsabgaben für Importe aus Fernost - europaweit!

höhere Einkommen müssen wieder stärker besteuert werden zum Sozialausgleich

stärkere Besteuerung von hohen Vermögen

Abschaffung sämtlicher Privilegien für Politiker und Beamte

Abschaffung von Ministerien mit Doppelfunktion in den Bundesländern, dass meiste kann zentral von Berlin geregelt werden (Beispiel Schule)

Neugestaltung des Sozialsystems durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass spart Milliardenbeträge beim bürokratischen Aufwand.


So sieht z. B. ein Beratungsgespräch einer Sozialberatung heute aus:

„Versuchen sie bevor sie ALGII beantragen, doch erstmal einen Wohngeldantrag zu stellen, ergänzend können sie ja auch mal einen Antrag auf Kinderzuschlag stellen. Ach ja, haben sie evtl. noch Anspruch auf Elterngeld (bei Kleinkindern). Ihre Tochter studiert doch? wie wäre es mit Bafög? Ach ein Elternteil ist verstorben, dann können sie doch Halbwaisenrente beantragen. Ach sie sind auch noch körperlich eingeschränkt, wie wäre es denn mit Berufsunfähigkeitsrente.“

und so weiter....
Diese Leistungen könnte man größtenteils abschaffen, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen zumindest für Kinder gebe!

Aber dann hätten wir ein neues Problem:
Jede Menge arbeitslose Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst!

Dann wäre den Kindern geholfen!

19.02.2010
15:07
Alisa ist arm
von Steuerzahler_0815 | #6

@ruhrchatter: Das Problem ist, Kinder haben nicht genug Geld, um sich bei der Politik eine Lobby kaufen zu können, also wird bei unserer Zukunft gespart.

19.02.2010
15:02
Alisa ist arm
von ruhrchatter | #5

Wer selbst Kinder hat, oder zumindestens Kinder liebt, dem wird es wohl das Herz zuschnüren. Ein hohes Gut sind zufriedene Kinderaugen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass Kinder unsere Zukunft sind. Wie wäre es denn eine Schulspeisung für alle Kinder einzuführen, egal ob arm oder reich? Dann bekämen die armen Wichte wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit.

19.02.2010
14:38
Alisa ist arm
von webleser | #4

In Hattingen leben 5.699 Menschen an der Armutsgrenze!

Das sind gut 10 % unserer 56.259 Einwohner.
(Daten mit Stichtag vom 30.11.2009)

- Grundsicherung für Arbeitssuchende: 4.965 Personen
- Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit 446 Personen
- Hilfe zum Lebensunterhalt oder Hilfe zu besonderen Lebenslagen: 288 Personen

Aus meiner Sicht unerträglich!

19.02.2010
12:12
Alisa ist arm
von michael constantin | #3

Ich bin auch arm aber zufrieden.

19.02.2010
09:02
Alisa ist arm
von Ingrascha | #2

Dies was man hier liest ist die Regel und nicht die wenigen Menschen die in der Zeitung auftauchen.
Leute, die erzählen wie sie den Staat *verarschen*
und auf Mallorca leben mit Hartz 4 werden extra gezeigt.
Dies soll den Hass auf die sogenannten Schmarotzer auf Steuerkosten schüren.
Was hier läuft sollte doch einfach zu durchschauen sein...
Kindermund tut Wahrheit kund.
Hier wird nichts schön geredet und man erfährt wie es den Kindern und ihrer Familie wirklich geht.

18.02.2010
18:48
Alisa ist arm
von fcstwolf | #1

Ob Guido Westerwelle und sein blaugelber Schickimickianhang solche Schicksale wohl lesen? Wohl kaum, weil es keine Leistungsträger sind. Solche Kinder gibt man in diesen Kreisen besser verloren, weil sie den eigenen Nachwuchs beim ausprobieren der zukünftigen Ellenbogengesellschaft nur stören. Armes Deutschland!

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