Air Products verlässt Hattingen
14.04.2010 | 20:52 Uhr 2010-04-14T20:52:00+0200
Hattingen. Die Hauptverwaltung zieht mit 150 Mitarbeitern nach Bochum. Die Produktion bleibt als Außenstelle erhalten.
Nächster Nackenschlag für Hattingen: Die Haupt-Verwaltung von Air Products verlässt die Stadt und zieht aufs ehemalige Nokia-Gelände nach Bochum. Von knapp 200 Mitarbeitern des Industriegas-Herstellers an der Hüttenstraße bleiben nur etwa 30 in der Produktion am Stammsitz.
„Die aktuelle Hauptverwaltung ist künftig zu klein, weil jetzt 100 Medical-Mitarbeiter hinzukommen”, erklärt ein Sprecher auf Nachfrage der Hattinger Zeitung. Der Betriebsrat hat dem Umzug nicht zugestimmt, wohl aber dem Interessenausgleich im Rahmen eines Sozialplans. Noch in diesem Jahr zieht das Unternehmen um.
„Zurzeit laufen Verhandlungen, erst dann wissen wir den genauen Zeitplan”, so Air Products. Was mit den Gebäuden passiert, ist ebenfalls noch nicht entschieden.
Mit Unverständnis reagierte Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch auf die Entscheidung: „Hier hat Air Products ein abgeschriebenes, gut erhaltenes Gebäude, in Bochum müssen sie Miete zahlen – das kann ich nicht nachvollziehen.” Natürlich habe sie sofort geprüft, ob Fördermittel vom Land oder andere Subventionen geflossen sind, „aber uns wurde deutlich gemacht, dass dies nicht der Fall ist”.
Die Stadt hat gekämpft. Goch sprach mit Geschäftsführer Markus Robertz, der in Barcelona sitzt, und den Prokuristen vor Ort, stellte sogar einen Anbau in Aussicht, „doch letztlich standen wir machtlos da. Alle Vorschläge wurden als unwirtschaftlich abgetan”, so die Bürgermeisterin. Beschlossen wurde der Umzug von der Liegenschafts-Abteilung in den USA.
Air Products hatte im Frühjahr 2009 mit seiner Umstrukturierung in Deutschland begonnen: Die Ausbildung wurde aufgegeben und 28 Mitarbeitern in Hattingen gekündigt. „Wir haben Ländergrenzen aufgebrochen, uns an Produkten und Dienstleistungen orientiert”, sagte Personalleiterin Sylvia Scholz vor einem Jahr. Folge: Hattinger Arbeitsplätze wurden in andere Länder verlagert. Im Herbst wurden dann 16 weitere Kündigungen ausgesprochen, zudem gab es die erste Information, dass über einen Umzug nach Bochum verhandelt würde.
„Der Abbau war für die nächsten Jahre geplant, wegen der Krise kommt er ein bisschen schneller”, so Scholz. Air Products stecke aber keineswegs in einer Krise, auch der Standort Hattingen sei nicht in Gefahr, wurde betont.
Der Standort bleibt. Die Produktion mit Luftzerlegungs- und Wasserstofferzeugungsanlagen bildet dann eine Außenstelle des Unternehmens. Die Mitarbeiter werden weiterhin Industriegase herstellen, u.a. für die Öl- und Gasförderung, Lebensmittelherstellung und -verpackung, Luft- und Raumfahrt sowie in der Papierherstellung.
07:59
Wo ist das Problem?
Dafür ist das ehemals auf dem Nokiagelände ansäßige Unternehmen Scanbull nach Hattingen gezogen!
09:53
Macht aus Hattingen lieber einen Kurort!
08:19
#Marks1
Sie haben recht. Der städtische Gebühren-Terror verhindert nachhaltig die Ansiedleung von betrieben. Und die Anghebung von Gewerbe- und Grundstückssteuer vertreibt die Unternehmen langfristig aus der Stadt.
Aber nicht nur das sind Abwanderungsgründe, sondern auch die Tatsache, dass bei der Ansiedelung von Gewerbeunternehmen sich die Städte nach wie vor in Kirchturmspolitik ergehen. Da werden neue Firmen erst umworben, gehegt, um sie dann später abzukassieren.
Leider haben unsere Kommunalpolitiker auch die von Bochum, Herne usw. immer noch nicht kapiert, dass es zunächst wurscht ist, ob in Herne, gelsenkirchen oder Gevelsberg ein betrieb sich niederläßt - arbeitsmarkttechnisch profitiert davon eine ganze Region. Also geht es einzig und allein um die Gewerbesteuer.
Die aber geheört eigentlich abgeschafft. Vielmehr mäüßten die Städte aus der Einkommenssteuer ihre Bürgerm, ein großes Stück abbekommen. So gesehen ist es richtig, wenn es einer anderen Gemeindefinanzierung bedarf.
Aber dann muß auch eines klar sein: Die Städte müssen strenger an die Leine gebunden werden. Ausgaben ab einer bestimmten Höhe bedürfen dann g r u n d s ä t z l i c h der Überprüfung durch die Kommunalaufsicht zurzeit angesiedelt bei den Regieerungspräsidenten ebenfalls die Anhebung von Gebühren, die die Städte sehr gut begründen müßten. Esmuß einfach Schluss damit sein, dass in den Rathäusern wie in der Vergangenheit bis hin in die Jetzt-Zeit Geld zum fenster rausgeworfen wird. So wie es derzeit in Hattingen geschieht, mit dem Zebra, der Belcuthung der Stadtmauer, dem Holschentor, der horrenden Miete für die Bücherei. Die Folger derartiger Verschqwendung sind ein niemals enden wollender gebühren-Terror, der schließlich im Wegzug der Unternehmen gipfelt.
fcstwolf
Letzteres sei besonders Ihnen ins politische Stammbuch geschrieben. Die Politik, der Sie das Wort schreiben, führt dazu, dass Hattingen immer mehr Betriebe verliert und an Attraktivität verliert. Den Thoren zum Trotz. Jüngstes beispiel einer verfhelten Politik ist der Zoff um das Altstadtfest. Anstatt die gastronomischjen Betriebe nach ihren ureigensten Möglichenkeiten einzubinden, sollen auch sie nun abgezockt werden - und das auch noch von einer BochumerAgentur. Deshalb rate ich den Aöltstadt-Wirten zum Altstadtfest ihre labenden Stätte geschglossen zu lassen. Dann wird diese Abzocker-Kaste endlich mal erleben, wohin ihre unermessliche Gier samt dem Städtischjen-Gebühren-Terror führt.
Frau Goch hätte wirklich niemals wieder gewählt werden dürfen.
06:44
@Marks1
Oh ja, Gewerbesteuer abschafffen - und darauf hoffen, dass irgendwer der Stadt freiwillig Geld für Straßen, Schulen, KiTas, Feuerwehren und ein bisschen Kultur schenkt - soll das die Lösung sein ?
Es gibt keine sich selbst finanzierenden Steuersenkungen, logisch, aber wahr :-
Ich vermisse wieder einmal eine Aussage, wo das Geld für unser Gemeinwohl - ja, auch und gerade Unternehmen nutzen Infrastruktur . herkommen soll.
Jetzt kommt wieder das Carree, die Bücherei, das Museum ... aber selbst wenn man diese Einrichtungen komplett schliesst ist das Defizit der Stadt nicht ansatztweise ! abgebaut.
Butter bei die Fischer: wer soll das bezahlen ?
22:29
Sehr geehrte Frau Goch,
ich schlage vor weiter hinsichtlich der Gewerbesteuer an der Spitze von NRW zu stehen. Dann wird in Hattingen wohl bald noch mehr leer stehen...
22:18
Ich kann nicht beurteilen in welchem Zustand das jetzige Gebäude ist. Aber ist es wirklich nur wegen dem alten Gebäude?
Trotz allem sollten wir alle froh sein, das der Betrieb nicht ins Ausland abwandert.
Nun steht leider ein Gebäude leer und muß einen neuen Nutzer finden!
Wäre das nicht ein Standort für die Hattinger Stadtverwaltung?
Eine Überlegung wert denke ich.
20:29
TGrimm,
was haben die Parkgebühren mit dem Umzug einer Firma zu tun. Ich würde sagen: Garnichts.
Das Nokia-Gelände wird in Bochum derzeit stark subventioniert vermarktet. Die Hattinger Hauptverwaltung kommt langsam in die Jahre, wo man ans renovieren denken muss. Wenn dann noch mehr Platzbedarf dazukommt, würde jedes Unternehmen in Bochum zugreifen. Es handelt sich in unserem Wirtschaftssystem um keinen Einzelfall. Nun muss man sehen, ob es Bedarf für das alte Gebäude gibt,
19:44
Vielleicht ziehen ja einige der Mitarbeiter um von Hattingen nach Bochum - wer zwei Autos hat, spart dann ggf. 1200 Euro Parkgebühren pro Jahr.