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Flugzeug-Unglück

Abschied nach dem Absturz

19.06.2009 | 15:30 Uhr

Gedenken am Kemnader See und in der Kirche – Pfarrer Ralf Radix plante Gottesdienst für Angehörige aus ganz Deutschland.

Am Pfingstmontag stürzte die Maschine der Air France mit 228 Menschen ins Meer. Den Flug AF 447 hat höchstwahrscheinlich keiner überlebt. Einen Tag später klingelte bei Pfarrer Ralf Radix das Telefon: Es waren Mitarbeiter der Koordinierungsstelle NOAH (Nachsorge-, Opfer- und Angehörigenhilfe). Denn der Pfarrer kümmert sich als Vorsitzender der Konferenz Evangelische Notfallseelsorge darum, dass Angehörige in der Akutphase Hilfe bekommen.

Nur 20 Minuten nach dem Anruf beim Pfarrer der Gemeinde Bredenscheid-Stüter machten sich seine Kollegen auf den Weg zu den Betroffenen. Die Seelsorger schauen auch, wer in den folgenden Tagen benötigt wird: Gemeindepfarrer oder ein Psychologe.

Unter den Opfern ist ein Blankensteiner (41). Seine Familie und seine Freunde nehmen am kommenden Sonntag Abschied. In einer Zeitungsanzeige haben sie es bekannt gemacht.

Zum ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche sind 107 Angehörige gekommen. Pfarrer Ralf Radix hat ihn initiiert, geplant und die Gebete geschrieben. Im Unterschied zu Tragödien wie dem Amoklauf von Winnenden leben die Familien in ganz Deutschland. So organisiert nicht die Gemeinde einer Stadt die Gedenkfeier, sondern Pfarrer Radix als Notfallseelsorger.

Die Texte der Einladungen hat er verfasst. Mitarbeiter von NOAH haben sie verschickt. „Ich hatte die Namen nicht”, sagt er. Die hat er erst am Tag des Gottesdienstes erfahren. Nur die Vornamen wusste er zuvor. Denn sie hatten sich entschieden, für jedes der deutschen Opfer eine Kerze anzuzünden: mit dem Vornamen darauf. 33 Kerzen brannten: 28 Deutsche waren im Flugzeug, fünf der Opfer haben Familie in Deutschland. Die Angehörigen haben die Kerzen angezündet, während der Pfarrer die Vornamen vorgelesen hat und Orgelmusik erklang. „Ein ergreifender Moment.” Für das Flugzeug und alle Passagiere brannte eine große Kerze.

Nach dem Mittagessen haben die Trauernden im Kirchenraum die Kerzen ausgeblasen und mitgenommen. „Immer wieder haben Notfallseelsorger sie unterstützt”, sagt Radix. Die Feier sei deutlich anders gewesen als Trauergottesdienste: „Es gab keinen Sarg.” Überhaupt werden sich die Angehörigen vielleicht nie am Grab verabschieden können. Von den gefundenen Leichen sei noch keine identifiziert, hat der Pfarrer von der Identifizierungskommission erfahren. Die letzte Anfrage als Notfallseelsorger für die Angehörigen der Absturzopfer hat Ralf Radix vor drei Tagen erhalten.

Dominika Sagan

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