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Abiturienten brauchen einen Plan B

26.10.2012 | 21:00 Uhr
Abiturienten brauchen einen Plan B
Die Berufsberaterin für Abiturienten, Bettina Wirtz, hier mit Klaus Kessler, Abteilungsleiter der Agentur für Arbeit, und dem Abiturient Bastian Oedekofen.Foto: Archiv

Hattingen.  Im kommenden Jahr machen zwei Jahrgänge gleichzeitig ihren Abschluss.

Bastian Oedekofen hat Glück gehabt. Der 18-Jährige gehört zum doppelten Abi-Jahrgang und verlässt im nächsten Jahr das Gymnasium. Weil der Andrang auf Universitäts- und Ausbildungsplätze groß sein wird, hat er sich früh um seine berufliche Zukunft gekümmert. „Schon vor den Sommerferien“, sagt Oedekofen, „bin ich zur Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit gegangen.“ Nun hat er seinen Ausbildungsvertrag quasi in der Tasche – bei der Sparkasse in Herdecke.

Universitäten

„Wer im nächsten Jahr sein Abi macht, der sollte einen Plan B in der Tasche haben“, rät Bettina Wirtz, Berufsberaterin für Abiturienten bei der Agentur für Arbeit in Hagen. Durch den doppelten Abi-Jahrgang werde es jungen Menschen noch schwerer gemacht, „die eigentlich genauso orientierungslos wie Haupt- oder Realschüler“ vor dem Weg in den Beruf stehen.

Der Ansturm auf die Hochschulen wird groß sein. Damit rechnet nicht nur Bettina Wirtz: „Da werden Traumnoten gefragt sein, um überhaupt einen Platz zu ergattern.“ Und bekomme man ihn, sei es schwer, in die Vorlesungen zu gelangen. Auch die Nebenkosten eines Studiums, zum Beispiel die Miete für ein Zimmer, würden wegen der Nachfrage steigen.

Ausweichen könnten die Studierenden ins Ausland. Zum Beispiel in die Niederlande, wo es Vorlesungen in Englisch gebe oder den Bewerbern die fremde Sprache in Crash-Kursen beigebracht werde. Die Hochschulen im Nachbarland verlangen allerdings eine Studiengebühr von 1800 Euro im Jahr.

Berufsausbildung

„Positive Wartezeit“ auf einen Studienplatz, so Beraterin Wirtz, sei eine berufliche Ausbildung: „Viele Unternehmen brauchen keine Theoretiker“, ein Wirtschaftswissenschaftler mit kaufmännischen Erfahrungen, ein Ingenieur, der bereits eine Ausbildung als Mechatroniker gemacht hat, habe nach dem Studium bessere Chancen. Die Lehre werde als vorbereitende Ausbildung auf die Wartezeit auf einen Studienplatz angerechnet. Allgemein sei der Wert der Ausbildung gegenüber dem Studium angestiegen. „Der Meister ist wieder wer.“

Handwerk

Nach dem Abitur in einen Handwerksbetrieb? „Das passt prima zusammen“, sagt die Beraterin. Zum Beispiel bei Mädchen und Jungen, die sich später selbstständig machen wollen. „Optiker ist auch eine handwerkliche Ausbildung.“ Und einem jungen Menschen, der später Architektur studieren wolle, könne eine Tischler-Lehre nicht schaden. Die Handwerksbetriebe hätten auch ihre Vorbehalte gegen Abgänger von Gymnasien längst abgelegt.

Klaus Bröking



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