500 Kilo Pistazien und ein Gebiss

Ulrich Jordan im Keller des Rathauses mit diversen gefundenen Fahrrädern.
Ulrich Jordan im Keller des Rathauses mit diversen gefundenen Fahrrädern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Solche Stücke bleiben im Gedächtnis der Mitarbeiter haften, sind im Fundbüro aber selten. Fahrräder, Schlüssel, Handys, Börsen und Geld werden oft verloren.

Hattingen..  Haben Sie noch alles? Keinen Schirm vergessen, Handy oder Brieftasche verloren, den 50-Euro-Schein nicht achtlos mit dem Schlüssel aus der Jackentasche gezogen? Dann sind Sie kein Fall fürs Fundbüro, müssen Monika Röpke den Gegenstand nicht so genau beschreiben, dass Sie als Besitzer zugeordnet werden können oder die Umstände des Verlustes sich erklären. An jedem Wochentag landet mindestens ein verlorenes Teil an der Bahnhofstraße 48 – im Durchschnitt. 250 bis 300 Sachen sind es im Jahr.

Sechs Monate Aufbewahrung

Anfang 2015 ist einiges dazugekommen, das bei Kaufland liegengelassen wurde. Wo es gedrängt zugeht, auf Märkten und Festen, verschwindet einiges, weil der Besitzer unachtsam war oder jemand lange Finger gemacht hat, weiß Christine Freynik, Leiterin des Fachbereichs Bürgerservice, Rechts- und Ordnungsangelegenheiten der Stadt. Im Urlaub auch. Die Erfahrung hat sie selbst gemacht, ihr Geld aber wiederbekommen. Oft wird die Börse geleert. Mit etwas Glück landen wenigstens Pässe und Papiere im Fundbüro, oft geschickt aus dem Ausland. Sie wiederzubeschaffen, würde ebenfalls Zeit und Geld kosten.

An jedem Wochentag rief ein Mann, der seine Brieftasche verloren hatte, im Fundbüro an. Zweimal am Tag. Drei Monate lang. Vergeblich. Sie wurde nicht abgegeben. Dem Mann, dessen Enkel im Ausland lebten, ging es hauptsächlich um deren Fotos.

Nicht geholfen werden konnte einer Frau, der das Gebiss abhanden gekommen war. Ihr eigenes befand sich nicht im Fundus. Ein anderes war zwar vorhanden. Die Frage „Kann ich es mal ausprobieren?“ wurde dagegen kommentarlos verneint.

Fundgegenstände teilt die Stadt im virtuellen Fundbüro (ViFo) online in 13 Kategorien ein. Wer etwas verloren hat, kann hier schon mal vorsortieren, ob der von ihm vermisste Gegenstand dabei ist. Die Beschreibungen sind eher vage. Schließlich soll der Besitzer vorbeikommen. Nicht jemand, der gerade etwas gut gebrauchen könnte, so die Fachkräfte aus dem Fundbüro.

Sechs Monate bleiben die Fundstücke dort. Hat der Besitzer sie dann nicht abgeholt, fliegen sie aus dem Netz. In einem Fall vor Jahrzehnten konnte das halbe Jahr nicht abgewartet werden. Schnelles Handeln war angesagt angesichts von 500 Kilo Pistazien in unklaren Besitzverhältnissen. Die Stadt hat sie verkauft – „die wären ja verdorben“, sagt Sachbearbeiter Ulrich Jordan, der sich über manchen Fundgegenstand wundert. Etwa einen Rollstuhl im Wald. „Ist der Besitzer aufgestanden und nach Hause gelaufen?“

Nicht mehr gefahren sind auch die Besitzer der zahlreichen Fahrräder, die die Stadt im Keller an der Bahnhofstraße aufbewahrt.