2653 Mal wurde armen Kindern geholfen

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Was wir bereits wissen
1141 Hattinger unter 15 Jahren gelten als arm. Das Bildungs- und Teilhabepaket bietet finanzielle Unterstützung. Die Zahl der Anträge hat sich in vier Jahren fast verdoppelt.

Hattingen..  Jedes sechste Kind in Hattingen ist arm oder von Armut bedroht. Ab­hilfe schaffen soll das Bildungs- und Teilhabepaket, das finanzielle Förderungen verspricht. In dessen Rahmen wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2653 Anträge für Hattinger Kinder bewilligt.

In Zahlen, die die Stadt 2011 erhoben hat, sind 1178 von 6622 Kindern unter 15 Jahren in der Mindestsicherung. Der Kreis errechnet in seinem aktuellsten Armutsbericht von 2014 insgesamt 1141 Hattinger Kinder (17,5 Prozent), die in Armut leben. Arm sind laut Definition Kinder aus Familien, die von staatlicher Unterstützung abhängig sind. „Dazu zählen wir das Arbeitslosengeld II, Zahlungen der Grundsicherung und Hilfe zum Lebensunterhalt sowie die Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz“, erklärt Dr. Hans-Joachim Boschek vom Kreis. Die Stadt zählt dazu auch Familien, die Wohngeld beziehen – also trotz eines auskömmliches Einkommens Unterstützung brauchen.

Kinderarmut bedeutet häufig vor allem Probleme beim Zugang zu Bildung und soziokulturellen Angeboten. Seit vier Jahren können dafür Unterstützungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket beantragt werden – die schulbezogene Förderung bis zum Alter von 25 Jahren, die soziokulturelle bis zur Volljährigkeit.

1884 Bewilligungen wurden im vergangenen Jahr allein beim Kreis, verantwortlich für die Empfänger von Arbeitslosengeld II, erteilt. Am häufigsten (656) gab es Förderungen für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, zum Beispiel die Mitgliedschaft im Verein. Danach folgen der Kostenzuschuss zum Mittagessen (543), für Ausflüge und Fahrten (354), für die Schulbeförderung (202) und die Lernförderung (129). Die Stadt hat 769 Anträge für 234 Kinder bewilligt – darunter auch 37 Kinder von Asylbewerbern.

„Das Paket wird gut angenommen“, lobt Dezernentin Beate Schiffer. Die Antragszahlen sind – nach 405 im ersten Jahr – deutlich gestiegen. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern hält sie für entscheidend: „Sie bringen das Angebot an die Schulen und kooperieren dort mit den Eltern.“

Nur messbar ist der Erfolg der Arbeit gegen die Kinderarmut kaum: „Leistungen, die jetzt eingesetzt werden, machen sich zum Teil erst in Jahren bemerkbar“, weiß Schiffer. Deshalb sei es wichtig, „gute Strukturen zu schaffen, damit die Menschen genügend Einkommen beziehen“. Gespannt ist die Dezernentin, wie sich der seit diesem Jahr gültige Mindestlohn auf die Armutszahlen auswirkt.