2555 Sänger machen die Welle
18.01.2010 | 17:32 Uhr 2010-01-18T17:32:00+0100
Westfalenhalle zur Uraufführung des Musicals „Die 10 Gebote” von der Creativen Kirche Hattingen-Witten fast ausverkauft.
9000 Zuschauer wollten das Spektakel sehen, das die Ev. Kirche von Westfalen und die Creative Kirche Hattingen-Witten für Ruhr 2010 auf die Beine gestellt haben. Und für knapp anderthalb Stunden verwandelte sich die Dortmunder Westfalenhalle in ein Gotteshaus, in dem die Geschichte unserer Kultur und des christlichen Glaubens auf die Bühne kam – nicht ernst und staubtrocken, sondern als unterhaltsames Musical.
Star des Abends, keine Frage, das war der gewaltige Chor: 2555 Sänger füllten die Ränge hinter der Bühne, machten vor Konzertbeginn die Welle und (fast) alle in der Halle machten mit. Ganz in Weiß gekleidet waren die Mitglieder aus 90 Chören. „Nein, wir sind nicht der deutsche Ärztekongress”, flachste Martin Bartelworth, der Leiter der Creativen Kirche, bei seiner Begrüßung.
Dann senkte sich Dunkelheit über den Saal, das Junge Orchester NRW spielte die ersten Töne, die Geschichte aus dem Alten Testament nahm ihren Lauf. Musste man bibelfest sein, um Gefallen daran zu finden? Es wäre von Vorteil gewesen, allein, um die Texte besser zu verstehen.
„Wenn ich nervös bin, dann wegen der Technik”, hatte Musikproduzent Dieter Falk, der das Werk komponiert hat, bei den Proben gesagt. Und da stellte die Westfallenhalle in der Tat eine Herausforderung dar. Einige Rückkoppelungen schmerzten im Ohr. Gut: die Idee, Liedzeilen auf zwei kleine Leinwände zu übertragen. Ob dies willkürlich geschah?
Aber im Grunde waren die Texte, für die Grammy- und Echo-Gewinner Michael Kunze in der Bibel tiefgeschürft und die er sprachlich aufgepeppt hatte, fast Nebensache. Nachdem Moses (Michael Eisenburger) und Zipporah (Bahar Kizil) sich gefunden hatten, folgten bekannte Episoden: die Berufung des Mose am brennenden Dornbusch, die Plagen, der Auszug Israels aus Ägypten, das geteilte Meer, der ausgelassene Tanz um das goldene Kalb und der Empfang der zehn Gebote am Berg Sinai. Zwei kindliche Erzähler – Produzentensohn Paul Falk und die Supertalent-Finalistin Yosefin Buohler – trugen die Handlung voran.
Mal fetzig, mal ruhig, meist recht eingängig, so kamen die 19 Pop-Songs – denn das waren die Lieder letztlich – rüber. Die Diva gab dabei Stefan Polslovski als stimmgewaltiger Pharao im Leopardenfellanzug. „It's hard to be a God”, prangte auf seinem T-Shirt. Originell: Der Chor hielt für die Palast-Kulisse goldene Folien in die Höhe.
Monrose-Sängerin Bahar Kazil machte ihre Sache als Moses' Frau gut. Ebenso der Rest des Ensembles, zu dem der Musical- und Gospelsänger David Thomas gehörte. Doch ein Gänsehaut-Gefühl, das brachten nur Chor und Orchester zu Stande.
„Wir wollen ein Statement setzen, um die Kirche zu entmuffen”, hatte Dieter Falk zuvor gesagt. Ein älteres Ehepaar („Wir sind zusammen 145”) bestätigte begeistert nach der Aufführung: „Mit Bach können Sie 25-Jährige heute nicht mehr in die Kirche kriegen.”
Das Konzept scheint also funktioniert zu haben. Beim Finale furioso jedenfalls riss es die Menschen von den Stühlen. Das Publikum, bunt gemischt, schwenkte Leuchtstäbe wie bei einem Pop-Konzert. Und so mancher sang mit beseeltem Blick den Refrain: „Liebe ist das Gebot und was ihr auch tut, alles wird gut.”
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