1600 Menschen unter Betreuung

Dorothee Fiebig (28) mit ihrer Mutter Doris Fiebig (64).
Dorothee Fiebig (28) mit ihrer Mutter Doris Fiebig (64).
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Um den Großteil der rechtlich Betreuten kümmern sich Ehrenamtliche. Oft sind es Familienmitglieder, für die es meist eine Selbstverständlichkeit ist.

Hattingen..  Etwa 1600 Menschen stehen in Hattingen und Sprockhövel unter Betreuung – um den Großteil von ihnen kümmern sich Ehrenamtliche. Diese Helfer hatte die Betreuungsstelle des EN-Kreises jetzt eingeladen, um Danke zu sagen.

Etwa 400 Einladungen wurden verschickt. „Ohne die Ehrenamtlichen geht es nicht, sind sich Beate Flüs und Eva Ulrich von der Betreuungsbehörde sicher. Immerhin stehen den hunderten Ehrenamtlichen nur zwölf Berufsbetreuer in Hattingen gegenüber. Um durchschnittlich 40 Bedürftige kümmert sich jeder von ihnen – den Rest erledigen Ehrenamtliche. Dabei bedeutet Betreuung für viele nicht nur die rechtliche Vertretung, sondern schließt auch die Pflege ein.

Erst seit drei Monaten ist Simone Voßkühler (49) die Betreuerin für ihre demenzkranke Mutter. „Jetzt ist vieles einfacher“, sagt sie und lobt: „Wenn man eine Frage hat, bekommt man sofort Antwort und auch einen Richter ans Telefon“.

Seit 14 Jahren kümmert sich Anita Höltermann (66) um ihren Bruder, der nach einem Unfall Hilfe braucht. Sie übernahm das Amt von ihrer Mutter. „Es ist schon eine ganz schöne Verantwortung und nicht einfach“, sagt sie.

Maria Postlack trägt seit sechs Jahren die Verantwortung für ihre Schwester. Dabei ist sie selbst 85 Jahre alt. Doch solange es ging, ermöglichte sie ihrer Schwester ein Leben zu Hause. „Aber jetzt geht sie in ein Altenheim. Sie ist gestürzt und das ist mir zu gefährlich wenn sie nachts allein aufsteht“, berichtet die Seniorin. Ob sie auch für einen Fremden die Betreuung übernommen hätte? „Wenn ich jünger wäre, hätte ich das gemacht.“ Die Ehrenamtlichen, die nicht eigene Angehörige betreuen, sind aber die Ausnahme, wissen die Mitarbeiter der Behörde.

Um ihre Mutter kümmert sich Anne Becker (64) seit sieben Jahren. Die ganze Familie hilft mit. Und auch Maria Schmidt (43), die erst ihren Vater und nun auch ihre Mutter versorgt, hatte nie Zweifel, ob sie der Aufgabe gewachsen ist: „Wenn es um Mutter oder Vater gibt, gibt es keine Zweifel.“

Den umgekehrten Fall erlebt Annemarie Warstat (75) seit 50 Jahren. Sie ist die Betreuerin für ihren Sohn, regelt schon immer seine rechtlichen Angelegenheiten. Und auch ihre Enkelin (28), die wie ihr Sohn bei der Lebenhilfe lebt, betreut sie inzwischen mit. Die teilt sich übrigens ein Zimmer mit der Zwillingsschwester von Dorothee Fiebig. Die 28-Jährige sitzt selbst im Rollstuhl und wird die Betreuung ihrer Schwester dann übernehmen, wenn Mutter Doris (64) sich irgendwann nicht mehr kümmern kann. Angst vor der Aufgabe hat sie nicht: „Ich bin damit aufgewachsen. Das ist sicher einfacher, als wenn man von heute auf morgen vor so einer Aufgabe steht.“