Ein dufter Martinsmarkt
Immer der Nase nach? Mit dieser Wegbeschreibung hätte man am Wochenende beim Marienthaler Martinsmarkt an vielen Orten gleichzeitig sein müssen.
Marienthaler Martinsmarkt, hier der Stand von "Hetis Töpferei" von Hedwig Teklote. Foto: Gerd Hermann
Foto: Foto: Gerd Hermann
Inmitten der gut 60 Stände umgaben die Besucher immer wieder köstliche Gerüche: Puderzuckerverwehungen, Stockbrotbackdünste aus einem Zelt, der Dampf brutzelnder Galloway-Rind-Würtschen vom Marienthaler Hof Fengels. Renate und Hubert Puhe wohnen in Bocholt zwar nicht weit weg, aber sie kamen zum ersten Mal zum Martinsmarkt. Einen Überblick hatten sie noch nicht, doch eines wussten sie schon: „Es riecht gut nach Martinsmarkt!”
Auch die „Seifenfee” Melanie Klaus duftete wieder mit, diesmal mit 52 Sorten. Sogar mit Marmorkuchen- und Parmesanflocken - Aroma. Bloß nach Salami fragte man noch vergebens, vielleicht gibt es die bald mal. Jedenfalls haben sich Produktion und Arbeit am Stand so ausgeweitet, dass inzwischen die befreundete „Seifenelfe” Ina Pfeifer mit-hilft. Wer es dagegen gerne etwas herber riecht, konnte sich mal über die Erzgebirgs-Holzfiguren am Stand der Flürenerin Uta Steffens beugen. In denen schwelten Räucherkerzen und verströmten ihr Aroma.
Größer geworden ist der Martinsmarkt in den letzten Jahren nicht mehr, er bewegt sich am Platzlimit. „Die Nachfrage von Ausstellern ist konstant geblieben”, sagte Dorothea Hartmann, Vorsitzende der Marienthaler Kaufleute.
Wichtel aus Ton
Wer findet, dass Schoko-Weihnachtsmänner sich kalendarisch manchmal ganz schön weit vorwagen, dem sei gesagt: Der Vorlauf bei Hedwig Teklote geht schon im Februar los. Dann fängt sie an, ihre kleinen, nikolausartigen Wichtel aus Ton zu formen. „Die Wichtel sind bei mir jedes Mal der Renner”, weiß sie. Im Sommer werden sie (gut 1000 Stück) glasiert, und zum Martinsmarkt gehen die Tischdeko-Männlein unter die Leute, schon im siebten Jahr. Genauso wie auch ihre ulkigen Keramikvögel, frostfest.
Die Aussteller
„Vielleicht 20 Prozent der Aussteller jedes Jahr sind neu, aber wir wollen die Linie erhalten und teils wird es eng, weil viele wiederkommen wollen", sieht Mitorganisator Karl-Heinz Elmer manchmal die luxuriöse Qual der Wahl. Dorothea Hartmann: „Wir wollen das Sortiment ausgewogen gestalten." Martin und Martina sind (fast) immer dabei und steckten auch diesmal die Gänseschnäbel aus dem Käfig. Der Markt wurde jetzt elf, beide sind um die 15 Jahre alt. Dorothea Hartmann lacht: „Richtig alte Gänse!"
Man selber hingegen ist nicht frostfest. Das macht aber nichts, denn dafür sind Claus und Annette Starosta da, und zum ersten Mal boten die Oberhausener Felle und Fellartikel auf dem Martinsmarkt an. „Wir haben vielleicht 10 Grad, das ist noch ein bisschen warm”, so Annette Starosta. Aber immerhin regne es nicht. Der täte den Deko-Fellen vom Waschbär oder vom Fuchs nicht unbedingt gut.
Also Fuchsmütze auf, noch einen Eierpunsch nach längst überregional beliebter Rezeptur des Marienthaler Klosters hinterher – und der Bummel über den Markt ist perfekt. Josef Klümpen aus Geldern, der übermäßig kommerzielle Weihnachtsmärkte gar nicht mag, findet: „Marienthal ist schon besonders.”
Noch mehr Fotos gibt's unter www.derwesten.de/hamminkeln




















