Wildtiere brauchen Ruhe im Wald
18.02.2010 | 20:00 Uhr 2010-02-18T20:00:00+0100Halver. Strengen Frost über eine so lange Zeit wie in diesem Winter gab es schon seit Jahren nicht mehr. Dennoch ist sich Förster Ulrich Ackfeld sicher, dass das für das heimische Wild kein Problem darstellt.
„Normalerweise überstehen gesunde Wildtiere auch einen langen und harten Winter wie diesen. Sie fressen sich bereits im Herbst eine dicke Fettschicht an und brauchen dann im Winter nur ausreichend Ruhe. Allerdings können sie Probleme bekommen, wenn sie von Wanderern oder frei laufenden Hunden gestört werden. Geraten die Tiere dann in Panik und flüchten wild durch den tiefen Schnee, verbrauchen sie unverhältnissmäßig viele Kalorien.” Natürlich weiß Ulrich Ackfeld auch, dass ein Winterspaziergang oder eine Tour mit Langlaufskiern ein tolles Erlebnis ist, aber er bittet alle Naturliebhaber auf jeden Fall auf den Wanderwegen zu bleiben.
Freilaufende Hunde im Wald verboten
„Die Fütterung der Tiere wird von der Jägerschaft übernommen. Wir füttern Raufutter und Rüben und helfen den Tieren damit, über den Winter zu kommen. Sie sind auch in der Lage, ihren Stoffwechsel so weit wie möglich herunterzufahren. Daher brauchen sie nur wenig Nahrung, die sie normalerweise finden, indem sie den Schnee von den Wiesen kratzen.”
Naturgemäß sind besonders die Ricken, die im Frühjahr ihre Jungtiere erwarten, im tiefen Schnee nicht mehr so schnell wie gewohnt und werden daher auch leichter Opfer von jagenden Hunden.
Günter Bechthold, Jagdschutzberechtiger aus Halver, wurde am Montag darüber informiert, dass an der Karlshöhe ein Labrador ein trächtiges Reh gerissen hat. Auf den Halter dieses Hundes wartet nun eine empfindliche Strafe in Höhe von mehreren 100 Euro. Deshalb weist Bechthold nochmals ausdrücklich darauf hin, dass es in Wäldern nach dem Forstgesetz eine Anleinpflicht für Hunde „abseits von Wegen” gibt. Er rät allen Hundebesitzern dringend, sich zum Schutz der Tiere im Wald und auch des eigenen Portmonees daran zu halten.
Ob das Füttern von Vögeln sinnvoll ist, ist unter Fachleuten seit Jahren umstritten. Wer es unbedingt tun möchte, dem empfiehlt Ulrich Ackfeld, auf jeden Fall auf artgerechtes Futter zurückgreifen, denn unsachgemäße Fütterung schadet mehr, als sie nutzt. Außerdem muss die Futterstelle sauber sein, um eine Krankheitsübertragung zu vermeiden und sie muss Schutz vor Fressfeinden bieten. Noch besser ist es, schon im Herbst an die kommende zu denken und die letzten Früchte an Bäumen und Sträuchern für die Tiere übrig zu lassen. Auch ein Stapel Holz und Reisig als Unterschlupfplatz hilft den Tieren mehr, als eine künstliche Fütterung.
„Eins ist aber auch klar”, will Ulrich Ackfeld nicht verhehlen, „ein solcher Winter ist auch ein natürliches Ausleseverfahren. Die starken Tiere kommen durch, sie erhalten den Bestand und die Jägerschaft muss im kommenden Jahr nicht eingreifen, um die Anzahl der Wildtiere der größe des Biotops anzupassen.”
0mitdiskutieren