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Ungewöhnlicher Beruf

11.08.2009 | 19:30 Uhr

Halver. Sie steht am Ende manchen Lebens, obwohl ihr eigenes Berufsleben gerade erst beginnt: Stefanie Kemper ist Bestattungsfachkraft – die erste in Halver. Ihre Ausbildung hat die 23-Jährige im Bestattungsinstitut Friemann gemacht.

Wer nun denkt, dass dieser Berufswunsch nicht gerade zu einer jungen, lebensfrohen Frau passt, irrt. „Mein Wunsch war es, zu lernen mit Verstorbenen umzugehen und den Trauernden beizustehen”, sagt Stefanie Kemper. Friedrich und Barbara Friemann, Inhaber des gleichnamigen Bestattungsinstituts, sind sehr zufrieden mit ihrer Mitarbeiterin. „Sie ist gefestigt”, beschreibt Barbara Friemann die ausgeglichene Art von Stefanie Kemper.

So passen Lebensfreude und der Umgang mit Tod und Trauer doch zusammen. Stefanie Kemper fühlt mit den Hinterbliebenen mit, geht auf Ängste und Verzweifelung ein. Trotzdem wahrt sie professionelle Distanz: „In Extremsituationen funktioniere ich einfach und lasse mich nicht von den schrecklichen Umständen überwältigen”, erzählt die jungen Frau. Denn auch wenn ein Kind stirbt oder ein Unfall geschieht, müssen die Bestatter stark sein.

Dann darf sich Stefanie Kemper nicht mit ihren Gefühlen beschäftigen, dann stehen die Hinterbliebenen im Vordergrund. „Wir müssen damit umgehen können, wenn hier Menschen sitzen, die den Tod noch gar nicht akzeptiert haben”, betont Kemper. Deshalb war die Trauerpsychologie auch Teil ihrer insgesamt dreijährigen Ausbildung. „In den Gesprächen muss man viel Feingefühl haben und den Hinterbliebenen die Ängste nehmen.”

Schon früh kam Stefanie Kemper selbst in Kontakt mit dem Tod: „Als meine Großeltern verstarben, haben es mir meine Eltern freigestellt, ob ich die Toten sehen will oder nicht.” Sie wollte und entdeckte dabei, dass sie keine Angst vor dem Umgang mit Toten haben muss.

Als die Großmutter eines Bekannten verstarb, half sie dem Bestatter, die Verstorbene in den Sarg einzubetten und den Raum für die Trauerfeier zu dekorieren.

Heute kümmert sie sich zusammen mit den Friemanns um die gesamte Organisation. Mit ihrem Ausbilder Friedrich Friemann fährt sie in Trauer- und Krankenhäuser, um die Verstorbenen abzuholen. Sie massiert die Totenstarre aus den Gelenken – eine körperlich anstrengende Tätigkeit, die bis zu einer Stunde dauern kann. Im Versorgungsraum wäscht Stefanie Kemper die Toten mit Einmal-Waschlappen und Waschlotion ab, shampooniert die Haare ein und frisiert die Verstorbenen mit Fön, Bürste und Lockenstab.

Danach geht es zum Friedhof: „Wir dekorieren den Ruheraum, in den die Verstorbenen dann gebracht werden. Mit Tüchern und Blumengebinden versuchen wir ein bisschen mehr Freundlichkeit hineinzubringen”, erzählt Stefanie Kemper.

Auch bei der Beerdigung ist die jungen Frau dabei. „Es kommt schon vor, dass ich am Grab mit den Hinterbliebenen mitweine”, erzählt sie. Denn auch wenn sie täglichen Umgang mit Tod und Trauer hat, zur Routine wird ihre Arbeit nie werden.

Maike Rellecke

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