Überraschende Übung hält Feuerwehr in Atem
20.09.2009 | 18:13 Uhr 2009-09-20T18:13:00+0200
Halver. Eine unangekündigte Feuerwehr-Übung hielt die Halveraner Löschzüge in der Nacht zu Samstag auf Trab. Um 5 Uhr morgens wurden die Feuerwehrmänner vom Martinshorn aus dem Schlaf gerissen. Dicker Rauch quoll aus dem Seniorenheim Haus Waldfrieden.
Samstagmorgen, vier Minuten nach 5 Uhr. Sirenen heulen auf. Zeitgleich melden die Pieper des Löschzuges Stadtmitte: „Wohnungsbrand Haus Waldfrieden.” Wenige Minuten später heult das Martinshorn auf. Keine fünf Minuten nach der Alarmierung trifft das erste Fahrzeug der Feuerwehr ein.
Dichter Rauch steigt derweil aus dem Gebäude. Die Männer, die bereits die gesamte Montur tragen, verschaffen sich einen Überblick. Für sie steht fest: Das ehemalige Gebäude des Altenheims Waldfrieden brennt. Fraglich ist, ob sich Menschen im Gebäude aufhalten. Das Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk werden dazu georderter. Der erste Atemschutztrupp betritt das Gebäude.
Im dichten Rauch liegt ein Mensch. Die zwei Feuerwehrmänner bergen das Opfer. – Beim Ansprechen wird klar: Das Opfer ist eine Puppe. Der Brand eine Übung. Aber von Anfang an: Freitagnachmittag: Das Handy klingelt. Der Wehrleiter Stefan Czarkowski meldet sich, bittet um Diskretion. Er sagt, dass die größte Übung für die Halveraner Wehr der vergangenen Jahre ansteht. „Wir wollen wissen, wie schnell die Löschzüge am Einsatzort sind und wie gut sie miteinander harmonieren”, erklärt Czarkowski.
Das Szenario: Ein Altenheim brennt. In den einzelnen Räumen befinden sich Menschen, die geborgen werden müssen. Czarkowski schlägt ein Treffen kurz vor der Alarmierung vor.
Samstagmorgen. 4.45 Uhr. Haus Waldfrieden. Ein Kleinbus fährt vor. „Ah, unsere Opfer”, raunt die Runde, die aus Czarkowski, den Halveraner Feuerwehrleuten Michael Kind und Holger Kutzer, dem Leiter des Fachbereichsleiter Öffentliche Dienste Ulrich Schumacher sowie zwei unabhängigen Bewerten aus der Wehr Kierspe besteht. Ein letzter Gang durch die Räume. Die Opfer werden positioniert, die Nebelmaschine weiter aufgedreht. Eine Puppe, die wie ein Brandopfer aussieht, wird auf die Treppe gelegt.
Keinezehn Minuten später wird sie geborgen. – Die Erleichterung der Feuerwehrmänner wird schnell durch die Routine abgelöst. Inzwischen hat der stellvertretende Stadtbrandmeister Reiner Clever das Kommando. Alle vier anderen Halveraner Löschzüge werden alarmiert, der Drehleiterwagen aus Lüdenscheid geordert. Das THW baut die Beleuchtung auf.
Dennis Pechner von der Halveraner Wehr kümmert sich die systematische Einteilung der einzelnen Atemschutztrupps. Je zwei Mann gehen in das Gebäude. In der Küche findet ein Trupp einen verstörten Mann. Er weigert sich, das Haus zu verlassen. Im Keller findet ein anderer Trupp einen Bewusstlosen. Um schnell aus dem Gefahrenbereich zu kommen, dreht Christian Starke einen Teppich um. „Auf der glatten Seite können wir ihn aus dem Raum ziehen”, ruft er seinem Kameraden zu. Ein Gurt wird um die Brust des Opfers gelegt. Er wird aus dem Raum gezogen und an die Rettungssanitäter übergeben.
Die Männer gehen in das Gebäude zurück. Ein Trupp der Löschzuges Bommert hat in der Zwischenzeit ein weiteres Opfer geborgen. Fabian Brunsmeier zieht sie auf den Balkon. Von dort kommt der Leiterwagen zur Hilfe. Innerhalb kürzester Zeit sind alle Opfer gerettet. Der Einsatz im groben und ganzen erfolgreich.
„Einige Schwächen haben sich gezeigt, aber genau dafür trainieren wir ja”, sagt Stefan Czarkowski. Künftig sollen beispielsweise alle Räume die kontrolliert wurden, mit Kreide markiert werden. Um künftig noch schneller zu sein und mögliche Minuten und Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden können einzusparen.
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