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Malschule

Startrampe für junge Talente

15.02.2010 | 19:00 Uhr

Schalksmühle. Musik, Literatur und Malerei – für die Menschen seit Jahrhunderten ein positiver Bestandteil ihres Lebens. Erbauung, Entspannung, Glück. Für die Ausführenden in doppelter Hinsicht, denn die eigene Freude über ein gelungenes Werk kann man kaum vermitteln.

Seit 19 Jahren fördert die Malschule in Schalksmühle Kinder und Erwachsene. Ute Ludwigsen-Kaiser hat Lehramt studiert und in der Realschule praktiziert; später selbstständig in einem kleinen Laden gearbeitet. Beides hat sie nicht so erfüllt, wie die Tätigkeit heute in ihrer Malschule. Nach zwei Fernstudien in Malerei, Schwerpunkt Illustration, danach Werbegrafik und Design, startete sie als Lehrerin mit VHS-Kursen. Ihre älteste Teilnehmerin war 98 Jahre alt. „Das war toll, aber anstrengend”, so ihre Erinnerung.

Später wurden Pädagogen für eine Malschule gesucht; ihre Chance. Anfänglich zeichneten ihre Teilnehmer in den Räumen des PZ Löh, dann verlegte Ludwigsen-Kaiser die Schulung in den eigenen Haushalt. Zeitweise zeichneten, spachtelten und malten über 70 Kinder in den Kursen im Keller am Roggenhagen (Richtung Wippekühl). Dazu kommen zwei Kurse mit Erwachsenen.

Mit ihrer Erfahrung macht sie sich ein genaues Bild von jedem neuen Teilnehmer. Vorlieben, Interessen, Können und Erwartungshaltung werden vorsichtig abgeklopft. Durch ihre motivierende, freundliche Art schafft sie eine lockere Wohlfühl- und Vertrauensbasis. Und die bleibt auch. „Ihre” Kinder bekunden einhellig, dass sie die Atmosphäre im Kurs inspirierend und entspannend empfinden, „ganz anders als in der Schule.”

Es fällt die konzentrierte, aber entspannte Ruhe der Zeichnenden sofort auf. Ludwigsen-Kaiser fördert Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit und vor allem den Mut zur Selbstverwirklichung, egal ob bei Jung oder Alt. Und das alles, ohne den Ehrgeiz zu puschen oder ein Wettbewerbsdenken hervorzurufen. Gegenseitiges Interesse fördert die Inspiration.

Das zeigen auch die präsentierten Ergebnisse in den Ausstellungen. Viele lernen schon jahrelang bei ihr. So auch Julia Zimmer, die mit 14 Jahren angefangen hat. Heute malt die 18-Jährige am liebsten mit Ölfarben. Angefangen hat sie mit Bleistiftzeichnungen. Die Malschule hat ihr Können kontinuierlich ausgebaut. Detailgetreu, geduldig mit viel Aufwand entstehen heute Tierporträts, Sky-Lines und Stadtansichten, die den Betrachter fesseln. Die kreativen Stunden bei Ludwigsen-Kaiser gehören zu ihrer besten Entspannung neben Basketball und Schule.

Ein Schüler feierte sein zehnjähriges Erscheinen mit einer großen Torte mit allen anderen in der Gruppe. Ludwigsen-Kaiser hat schon viel erlebt: Außergewöhnliche Talente, aber auch zielstrebige, selbstbewusste Teilnehmer. Etliche Bewerbungsmappen für Studiengänge sind mit ihrer Hilfe fertig gestellt worden. „Künstler sind sensibel. Das Talent ist nicht allein entscheidend. Ellenbogen sind wichtig, Zeit- und Leistungsdruck und Kreativität auf Knopfdruck sind im Berufsleben ausschlaggebend. Manches Talent ist dem nicht gewachsen”, weiß sie aus eigener Erfahrung. Zwölf Anleitungsbücher hat sie inzwischen illustriert und auf den Markt gebracht. Ihr Treppenhauswand ist voll mit Zeichnungen, Malereien und Portraits.

Rita Jonuleit

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