Schulnoten – Ja oder Nein?
10.02.2012 | 00:00 Uhr 2012-02-10T00:00:00+0100
Halver.Heute geht sicherlich mancher Schüler mit einiger Unruhe in die Schule – es gibt Halbjahreszeugnisse! Zwar wissen die meisten Schüler – und auch deren Eltern – schon, was auf sie zukommt, aber dennoch bleibt eine gewisse Spannung erhalten.
In den Grundschulen werden heute nur die Klassen drei und vier ein Halbjahreszeugnis erhalten – in diesem Jahr vielleicht zum letzten Mal in der Kombination aus Noten und ergänzenden Texten. Denn ab sofort können die jeweiligen Schulkonferenzen entscheiden, wie die Zeugnisse in den Klassen zwei und drei in Zukunft aussehen sollen.
Text für Schüler verständlicher als Zahl
Alle Halveraner Grundschulleiter sehen in der Frage „Notenvergabe: Ja oder Nein?“ jeweils Pros und Kontras. Susanne Grieb-Falkenroth, kommissarische Leiterin der Grundschule auf dem Dorfe, beschreibt die Vorteile einer pädagogischen Beurteilung: „Die Schüler können mit einem Text, der ihre Arbeitsergebnisse und ihr Leistungsverhalten beschreibt, mehr anfangen als mit einer nackten Zahl. Die pädagogischen Beurteilungen können den individuellen Lernzuwachs besser beschreiben. Das ist für Kinder und Eltern wichtig“, meinte sie. Sie ergänzt aber auch: „Im Schulsystem sind Noten über die Jahre unabdingbar, also können sie auch schon in der Grundschule vergeben werden. Irgendwann kommen sie auf die Schüler zu. Ab der Klasse vier sind so sowieso nötig, um die Entscheidung für die weiterführende Schullaufbahn zu treffen.“ Am Montag wird das Kollegium in der Lehrerkonferenz der Grundschule auf dem Dorfe diese Frage erörtern. Bernd Ritschel, Leiter der Grundschule Oberbrügge, sieht in beiden Systemen gute und schlechte Aspekte.
Text-Noten oft schwer einzuschätzen
„Für eine reine Notengebung spricht, dass die Leistungen auf den Punkt gebracht werden müssen. Allerdings sind die Noten in vielen Fällen wenig aussagekräftig. Die Frage ist doch, wie ist die „3“ zustande gekommen. Durch Eigenleistung des Schülers oder durch viel Hilfe? Im ersten Fall ist sie viel höher zu bewerten, als im zweiten“, erklärt er seinen Standpunkt. Ihm scheint es daher besser, wenn zur reinen Note auch noch deren Hintergrund erläutert wird.
Auch fällt es den Eltern oftmals schwer einzuschätzen, wie ein Text zu verstehen ist. Ob sich dahinter eine zwei oder drei verbirgt, wird oft in Frage gestellt. „Die verwendeten Texte sind im Stil einer „ermutigenden Erziehung“ geschrieben. Das heißt, sie klingen in den meisten Fällen recht positiv. Dabei wird oft überlesen, dass der Schüler noch einige Lücken hat, die er auffüllen muss. Dann kann die Enttäuschung, wenn aus den wohlwollenden Texten spätestens ab Klasse vier Noten werden, groß sein“, weiß er aus Erfahrung.
Die Grundschule Oberbrügge bietet nach den Zeugnisausgaben Sprechtage für Eltern an, in denen Fragen zum Zeugnis geklärt werden können. „Dies wurde in den letzten Jahren nur in wenigen Einzelfällen angenommen. Daher gehen wir davon aus, dass die Zeugnisse, wie sie derzeit erstellt werden, für die Eltern verständlich sind.“
„Noten schaden mehr, als sie helfen“, sagt Beate Segieth, Leiterin der Lindenhofschule. An ihrer Schule erhalten die Mädchen und Jungen ohnehin erst ab Klasse 4 Noten. „Ich würde es begrüßen, wenn die Noten komplett wegfielen“, unterstreicht die Schulleiterin. Im Notensystem komme das nachhaltige Lernen zu kurz. „Wir müssen Kinder und Jugendliche dazu anleiten, Spaß am Lernen zu bekommen, statt beim Lernen nur auf gute Noten zu schielen.“
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