Schüler schlüpfen in die Rolle des EZB-Rats
15.02.2012 | 17:10 Uhr 2012-02-15T17:10:00+0100
Halver.Volkswirtschaft zum Anfassen – das stand, grob umschrieben, gestern im Leistungskurs Sowi Q1 des Anne-Frank-Gymnasiums auf dem Stundenplan. Gemeinsam mit Ralf Zimmermann, Diplom-Betriebswirt im Bereich „Ökonomische Bildung“ der Deutschen Bundesbank, verschafften sich die Schüler in einem eintägigen Workshop einen Einblick in die Mechanismen der Geldpolitik. Über die Grundlagen der Geldwirtschaft, die Ziele und Mittel der Geldpolitik sowie über die Funktionsweise des Europäischen Systems der Zentralbanken hätten viele Schüler nur vage Vorstellungen.
Vage Vorstellungen
Hier setze er an, wie Ralf Zimmermann erläuterte. Die 25 Schüler hätten bereits Vorkenntnisse erworben, beispielsweise Themen wie Konjunktur und Magisches Viereck im Unterricht behandelt. Im Workshop gehe es nun darum, diese komplexen Themen zu konkretisieren, Geldpolitik im wahrsten Sinne begreifbar zu machen.
„Beispiel: Wir wissen, wieviel ein Brötchen kostet, und fragen uns, wieviel es in einem halben Jahr kosten wird und – ebenso wichtig – welche verschiedenen Faktoren den Preis beeinflussen“, erläuterte Zimmermann. „Das heißt: Wir fangen quasi nicht beim Mehl, sondern beim Getreide an, beobachten etwa die Preisentwicklung in den Bereichen Rohstoffe, aber auch Logistik, Maut und – für Bäcker ganz wichtig – im Bereich Energie.“
Geldpolitik werde gern als „Mittel zur Krisenbewältigung“ gesehen. „Ich möchte den Schülern vermitteln, dass es ihre eigentliche Aufgabe ist, für möglichst stabile Preise zu sorgen – und dass dabei eine Wirkungsverzögerung von zwei Jahren zu berücksichtigen ist, sprich wenn jetzt agiert wird, sind die Auswirkungen erst in zwei Jahren sichtbar.“
Da Zimmermanns Besuch aber eben nicht als reine Vortragsveranstaltung, sondern als Workshop angelegt war, wie er betonte, wurden die Schüler schließlich auch selbst aktiv – neben der Bearbeitung von Arbeitsblättern vor allem auch bei einem geldpolitischen Rollenspiel. „Wir werden gemeinsam EZB-Rat spielen“, schmunzelte der Geldexperte. „Die Schüler bekommen eine bestimmte wirtschaftliche Situation an die Hand, anhand derer sie sich überlegen müssen, was sie als EZB tun müssen, um Preisstabilität zu gewährleisten.“
In den Augen von Kurslehrerin Barbara Schmidt eine eindrucksvolle Art der Vermittlung immerhin abiturrelevanter Themen, die auf diese Weise mit Leben gefüllt würden, und somit eine ideale Ergänzung des Unterrichts. „Als Lehrer hat man ja aufgrund seiner Ausbildung eine ganz andere Herangehensweise als ein Fachmann aus der Praxis“, so Barbara Schmidt. „Ralf Zimmermanns Besuch ist zur Vorbereitung auf das Abitur sehr hilfreich, und wir versuchen, den Workshop, der zum ersten Mal stattfindet, nach Möglichkeit zu etablieren.“
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