Rettung in dichten Rauchwolken
14.11.2010 | 19:00 Uhr 2010-11-14T19:00:00+0100
Halver.„Unklarer Rauch“ lautete die Nachricht auf den Meldeempfängern der Feuerwehr am Freitagabend um 22.30 Uhr. Als die ersten Einsatzkräfte am alten Lieder-Baumarkt auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände eintreffen und vom Firmenbesitzer erfahren, dass sich noch eine vermisste Person in dem Gebäude befindet, lösen sie Stadtwehralarm aus – genau die richtige Entscheidung, wie die Beobachter der Großübung mit zufriedenen Gesichtern feststellen.
Dass es sich nur um eine Übung handelt, erkennen die Feuerwehrleute allerdings erst Minuten später. Vom Firmenbesitzer zum Untergeschoss des Gebäudes gelockt, treffen sie zunächst auf eine dicht vernebelte Montagehalle. In Windeseile stehen die ersten beiden Atemschutzträger bereit, Schläuche werden ausgerollt, Lichtmasten eingeschaltet. Doch schon nach wenigen Minuten kommt der Suchtrupp mit dem „Vermissten“ wieder ins Freie. Verdrehte Beine, gebrochenes „Genick“ – der lebensechte (und ebenso schwere) Dummy sieht ziemlich mitgenommen aus.
Doch damit ist die Übung noch lange nicht beendet. Plötzlich werden aus einer Halle im darüberliegenden Geschoss drei weitere Vermisste gemeldet. Auch hier haben die Halveraner Feuerwehrleute Dirk Düppe, Holger Kutzehr und Holger Kaufmann im Vorfeld mit sogenanntem Disco-Nebel für täuschend echten Qualm gesorgt.
Einmal pro Jahr gibt es
eine solche Großübung
Doch die Einsatzkräfte zeigen sich gut vorbereitet. Ausgerüstet mit Atemschutzmasken, Lampen und Löschschlauch dringen sie in das Gebäude vor, in dem man nicht die Hand vor Augen sieht. Und doch finden sie schon bald die erste der drei vermissten Personen – diesmal ist es eine lebende Frau, die Auskunft über mögliche weitere Vermisste geben kann. Vier neutrale Beobachter der Feuerwehr Kierspe verfolgen das Vorgehen genau, machen sich immer wieder Notizen.
Diese Beobachtungsbögen werden heute genau ausgewertet. „Der Gesamteindruck während der Übung war gut“, freute sich der Halveraner Wehrleiter Stefan Czarkowski nach der Übung im WR-Gespräch, „es gab lediglich ein kleines Problem bei der Fahrzeug-Aufstellung.“ Vor allem das Erkennen der Gefahr und die eingeleiteten Erstmaßnahmen seien optimal verlaufen. Czarkowski: „Im Detail wird man das aber erst nach Auswertung der Bögen sehen.“
Bei dieser jährlichen Großübung werden viele Details erfasst. Vor allem geht es darum, ob die im Brandschutzkonzept festgelegten Hilfsfristen erreicht werden – z.B. für den Einsatz der Drehleiter aus Brügge, die am Freitag ebenfalls nachalarmiert wurde. Auch Konzepte für den Funkverkehr, den Einsatz der Atemschutzträger oder auch das Markieren von Türen beim Durchsuchen der Räume stehen auf dem Prüfstand.
Auch die Zusammenarbeit mit DRK, THW und dem Ordnungsamt wird mit solchen Übungen einstudiert. Während sich das DRK sowohl um die Versorgung der geborgenen „Vermissten“ als auch um die Verpflegung der Einsatzkräfte kümmerte, sorgte das THW mit seinen Lichtmasten für die notwendige Ausleuchtung des Einsatzortes.
Um 23.50 Uhr kann Michael Keil den Befehl zum Abmarsch geben. Der Abend mit Sturm und Regen war für die Einsatzkräfte da allerdings noch nicht beendet; schließlich musste noch die Ausrüstung für den möglichen nächsten Einsatz wieder aufbereitet werden. „Die letzten haben das Gerätehaus um 3 Uhr morgens verlassen“, berichtete Czarkowski am Samstag.
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