Musikalische Reise
22.01.2012 | 14:43 Uhr 2012-01-22T14:43:00+0100
Halver. Der Journalist und Liedermacher Christoph Zehendner hat in Halver eine große Fangemeinde. Das wurde Samstagabend in der Nikolai-Kirche deutlich. Beim Konzert unter dem Titel „Wortweltenwanderer“ war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt.
Viele Lieder sang Zehendner außerdem mit dem Publikum gemeinsam. Begleitet wurde er von Uli Schwenger am Piano, Daniel Schwenger am Schlagzeug, Matthias Ade an der Gitarre. Ingrid Zehendner untermalte Musik und Gesang mit ausdrucksstarken Fotos. Sie zeigten fröhliche und hoffnungsvolle Gesichter und Naturaufnahmen ebenso wie Bilder von beklemmendem Elend. Nach zwei Gebetskonzerten, die er in Halver gegeben hatte, war dies der dritte Auftritt des Künstlers. Das Publikum erlebte mehr als neunzig Minuten Rock, aber auch leise Lieder. Es sei wie im Leben, meinte Zehendner, da passten die Dinge manchmal auch nicht zusammen.
Viele Lieder entstanden im einem Jahr, in dem er vier Kontinente besuchte. Die Radtour, die er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Manfred Siebald auf Korsika unternahm, war für Zehndner ziemlich anstrengend. Galt es doch, in sengender Hitze etliche Höhenmeter zu überwinden. Am Ziel angekommen erwartete ihn Siebald, der die Strecke nicht zum ersten Mal befuhr, mit den Worten: „Wie gut, dass wir Freunde sind. Wir müssen uns nichts mehr beweisen.“ Ein Satz, zu dem Zehendner ein Lied schrieb.
Begegnung mit dem kleinen Jesus
In den Dörfern Kolumbiens sah er viel Elend. Mittendrin traf er einen kleinen Jungen mit dem Namen Jesus. Der Vorname sei übrigens im spanischsprachigen Raum durchaus nicht ungewöhnlich. „Bei der Fußball-WM kann der spanische Nationaltrainer ` Jesus` einwechseln“, warf er ein. Dem kleinen kolumbianischen Jungen widmete er ein Stück.
Als er die Einladung der Bundeswehr nach Afghanistan erhielt, dachte er zunächst, jemand wolle ihn veräppeln, gestand er. Die Bilder zeigten, was ihn in Kabul erwartete: dichter Staub, der einem das Atmen erschwerte. Momente später sah man, wie Kinder bunte Drachen in den hellen blauen Himmel steigen ließen. Zehendner ließ daraus „Hoffnungsdrachen“ werden.
Juden, Christen und Muslime leben in einer der bedeutendsten und schönsten Weltstädte: Jerusalem. Fotos zeigten die Einzigartigkeit dieser Stadt, zu der auch Stacheldrahtabsperrungen gehören. Zehendner schrieb seiner Lieblingsstadt gleich mehrere Lieder. Leid gibt es auch in unserer Nachbarschaft. „Kinderseelen sterben durch Stumpfsinn und Gewalt“, sagte Zehendner. Der Song dazu verdeutlichte seine Meinung: „Der Himmel weint.“ Mit Gebeten, fügte er hinzu, könnten Menschen für andere „Rückenstärker“ werden. Am Ende des Konzertes dankte Zehndner „der unglaublich engagierten Crew.“ „Sowas habe ich in vielen Jahren noch nicht erlebt“, erzählte er. Ans Publikum gewandt verabschiedete er sich mit den Worten: „Schön, dass Sie gerade heute da sind. Da ist vieles gelungen, denke ich.“
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