Hühner-Ohren verraten Eierfarbe
22.04.2011 | 14:52 Uhr 2011-04-22T14:52:00+0200
Halver.Braune Hühner – braune Eier, weiße Hühner – weiße Eier. Familie Hedfeld, Herr über 650 Hühner, war lange selbst von der simplen Theorie überzeugt. Um auf Nummer sicher zu gehen, muss man den Hennen allerdings aufs Ohr schauen. Denn die Farbe des Ohrläppchens, bei Hühnern Ohrscheibe genannt, bestimmt auch die Farbe des Eis.
Stefan Hedfeld sieht nun ein wenig genauer hin, seit er von der Ohrscheiben-Regel gehört hat. „Bislang hat es für uns eigentlich keine Rolle gespielt“, erklärt der Landwirt aus Anschlag. Zudem haben es die Hühner der Familie immer einfach gemacht: Sie sind entweder nur weiß braun oder schwarz – die Farbe der Ohren weicht selten davon ab.
Interessant ist die Ei-Farbe dennoch. „Weiße Eier sind eigentlich nur zu Ostern konkret gefragt“, erklärt Senior Reinhard Hedfeld. „Weil die braunen immer ein wenig größer und dickschaliger sind. Das mögen Kunden lieber.“ Hennen mit weißen Ohrscheiben wissen ihre Kalkvorräte anders aufzuteilen: Sie legen etwa 20 Eier mehr – die haben aber eine dünnere Schale.
650 Tiere tummeln sich täglich im Stall und auf dem Hofgelände. Ein paar Hähne sind dabei – aber eigentlich nur Dekoration. Einmal gab’s Überrschungsnachwuchs, als ein Hahn zutrat und die Henne befruchtete. Die gluckte und brütete und Familie Hedfeld stand plötzlich mit kleinen Küken da. Das war ein schöner, aber seltener Anblick. Neue Hühner kommen sonst schon mit 18 Monaten auf den Hof. Zwei Wochen Eingewöhnungszeit haben sie. Dann ist mit 20 Monaten das Alter erreicht, in dem Hennen erstmals mit der Ei-Produktion beginnen.
Im Rhythmus von anderthalb Tagen legen die Hennen ein Ei. Meist ziehen sie sich dafür an einen ruhigen Ort zurück, denn das ist ein Kraftakt. 15 bis 18 Monate dauert dieser Abschnitt im Hühnerleben.
Lebensphase
angenehm gestalten
Hedfelds tun viel dafür, um den Tieren diese Lebensphase so angenehm wie möglich zu gestalten: Sie haben jederzeit die Wahl zwischen Stall und Wiese. Täglich gibt’s ein Futtergemisch mit Getreide und zehn Prozent Kalk. Gelegentlich kommen Kräuter dazu und im Winter gibt’s auch mal Möhrenschnitze mit Pflanzenöl. Das regt die Verdauung an. „Und wenn ein Huhn mal Appetit auf ein Würmchen hat, ist dagegen nichts einzuwenden“, erklären die Hedfelds lachend.
Schließlich gibt’s ja auch alle drei Monate eine Wurmkur – aber die hat nichts damit zu tun, dass Hühner gern Würmer fressen. Auch Impfung muss sein.
Weil bei Hedfelds noch eine ursprüngliche und naturbelassene Haltung stattfindet, haben sie seit dem Dioxin-Skandal viel mehr Kunden dazugewonnen. „Trotzdem“, erklärt Reinhard Hedfeld, „sind auch unsere Hühner keine Tiere, wie man sie noch irgendwo in freier Wildbahn vorfinden würde.“
Ursprüngliche Rassen gibt es weltweit fast gar nicht mehr. Per Hybridzucht wurden immer mehr Hochleistungshühner miteinander gekreuzt. Manchen Rassen fehlen heute gar Urinstinkte wie das Scharen und Glucken.
Diese Entwicklung findet Reinhard Hedfeld bedauerlich und auch bedenklich. „Vier Großkonzerne in Europa züchten und versenden Hühner bedarfsgerecht in alle Länder der Welt. Die Eierpreise werden in der Großindustrie auf zwei Stellen hinter dem Komma berechnet. Das kann nicht richtig sein!“
Bei Hedfelds gibt’s keine Kommabeträge. Das günstigste, kleinste und schmackhafteste Ei kommt übrigens von Hennen, die zum ersten Mal legen, verrät Reinhard Hedfeld und betont ausdrücklich: „Ein Genuss!“
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