"Ein Bericht sagt mehr aus als Noten"
20.06.2007 | 09:14 Uhr 2007-06-20T09:14:34+0200Halver. Ferien. Die Schulzeit endete gestern. Bevor es in den Urlaub gehen konnte, gab es Zeugnisse. - Auch die Lindenhofschule verteilte gestern die "Giftblätter"."
Ich habe eine drei in Deutsch!", "Ich eine zwei!" - "Streber!" Beim Thema Zeugnisse geht es in der Lindenhofschule hoch her. Erstmals bekommen die Zweitklässler Noten, per Gesetz. Denn eigentlich passen Noten ganz und gar nicht in das Konzept der Grundschule.
Anschauliches, individuelles, freiheitliches Lernen statt Frontalunterricht ist das Motto. Keine Zeugnisse in der ersten und zweiten Klasse, schriftliche Beurteilung in der Dritten und Ziffernnoten in der Vierten, sah das Konzept vor.
Zum selbstständigen Lernen animieren
Entstanden ist so eine Schule, die nicht nur etwas lehrt, sondern auch unentwegt lernt. In der nicht nur auf die Selbstentwicklungskräfte der Kinder, sondern auch auf die der Lehrer vertraut wird. Sie müssen, ohne die Konkurrenz anzustacheln und ohne Hilfe der üblichen Disziplinierungsmaßnahmen wie Notenvergabe, Lob, Tadel, Strafe, die Kinder zum selbstständigen Lernen animieren.
Lehrer als Moderatoren
Sie müssen sich damit arrangieren, dass ihre Rolle nicht mehr die des übermächtigen "Zentralgestirns" innerhalb der Klasse ist, sondern die des zurückhaltenden, aber aufmerksamen Beobachters und Moderators beim jeweils individuellen Lernprozess. Und dies jahrgangsübergreifend. Ein Vergleich ist, wenn überhaupt, nur schwer möglich.
Daher wurden die Ziffernoten erst ab der vierten Klasse vergeben. Im Zuge der Reformierung des Schulgesetzes durch die schwarz-gelbe Landesregierung, wurden Noten verpflichtend eingeführt. - Heute wird eine schriftliche Beurteilung in Klasse eins durchgeführt. Ab der zweiten gibt es Ziffernoten.
"Bei den Gesetzen wird immer mit der Pisa-Studie argumentiert. Dies ist gelinde gesagt Schwachsinn. Denn die Länder, die wesentlich besser abgeschnitten haben, haben keine oder wesentlich später Noten", sagt Schulleiterin Beate Segieth. Individuelle Förderung und Noten würden sich widersprechen. Die Schüler würden anfangen für Noten zu lernen und nicht für`s Leben, betont die Schulleiterin.
"Die Maßnahmen bewirken genau das Gegenteil von dem, womit die Erfolgreichen der Pisa-Studie gepunktet haben. Bei uns wird der Turm schiefer", so Segieth.
Daher hält sich den Vorstoß der Landesregierung für "überhaupt nicht sinnvoll" oder "logisch nachvollziehbar".
Und die Kinder? "Mit Noten weiß man besser, wie gut man ist", meint der 8-jährige Alexander. Auch der 8-jährige Philipp findet es gut, Noten zu bekommen. Denn: "Ich habe drei Einsen und vier Zweien!".
Solche Aussagen meint Segieth, wenn sie davon spricht, dass Kinder nur noch Noten bzw. das Entlohnung der Eltern und Großeltern im Kopf haben.
"Noten waren und bleiben subjektiv. Ein Bericht kann mehr aussagen und immer objektiver", sagt Beate Segieth.
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