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Der O-Ton aus dem Kleiderschrank

05.10.2007 | 00:00 Uhr

Siegen. Wie kommt eigentlich eine Nachricht aus Kierspe oder Meinerzhagen ins Radio oder Fernsehen? Dieser Frage ist WR-Mitarbieter Jochen Helmecke anlässlich der geplanten Umstellung auf das sogenannte Überallfernsehen nachgegangen.

Am 13. November startet in Südwestfalen das DVB-T Fernsehsystem, besser bekannt unter dem Begriff "Überallfernsehen". Die Umstellung auf das digitale, terrestrische Fernsehen soll auch im oberen Volmetal die Möglichkeit eröffnen, ohne Kabelanschluss oder Satelitenanlage zwölf Programme in digitaler Qualität zu empfangen.

Im neuen Sieg-Carre? befindet sich auf zwei Etagen die landesweit neueste, digitale Studiotechnik. Trimedial, wie es die Medienfachleute nenen, ausgelegt, ist das 50-köpfige Team dort in der Lage, Radio- und Fernsehsendungen zu produzieren und sich mehr und mehr um die Internetpräsenz des Lokalstudios zu kümmern. Das Ziel: Eine "Allround-Nachrichten-Welt".

Das Tagesgeschäft von Torsten Dreyer, freier Mitarbeiter im oberen Volmetal, ist es, den wichtigen, interessanten und oftmals nicht alltäglichen Informationen nachzugehen und daraus eine Nachricht zu produzieren. "Mein Job beim Radio macht mir auch nach acht Jahren immer noch unheimlich Spaß. Das liegt auch daran, dass das Radio nun einmal das schnellste Informationsmedium ist."

Als hätte es eines Beweises bedurft wurde dann aus dem Besuch im Studio augenblicklich reale Arbeit. Das Thema Lokführerstreik stand auf der Aktualitätenliste des Redakteurs vom Dienst, der den Auftrag umgehend an Dreyer weitergab. Ein Anruf beim Vertreter der Gewerkschaft der GDL und die notwendigen Fakten standen zur Verfügung. Jetzt blieb nur noch, die Entscheidung des Arbeitsgerichtes Chemnitz für oder gegen einen Streik abzuwarten. Hiervon hing es ab, ob Dreyer am nächsten Morgen in aller Früher auf die Jagd nach einem "O-Ton" (Originalton aus einem Interview) gehen musste.

Diese O-Töne kommen auf die unterschiedlichste, ja sogar kuriose Weise zustande. Wenn der Nachrichtenmann sich im Studio Siegen befindet, hilft ihm dabei Tonstudiotechniker Sascha Disselbrede. Er nimmt die gesprochenen Worte mit perfekter Studiotechnik auf und bringt sie auf den Sender.

Ganz anders, wenn Torsten Dreyer von zu Hause aus arbeitet. Dass bedeutet, dass in Altena in seinem privaten Wohnhaus die Nachrichten bearbeitet und dann in seinem Kleiderschrank mit einem digitalen Rekorder aufnimmt. "Der Kleiderschrank ist als Resonanzkörper ideal. Dort ist schon so manche Information für ihren Weg durch den Äther aufgezeichnet worden", erzählt der 39-Jährige mit einem Schmunzeln.

Nach dem informativen Besuch in der Abteilung Radio ging die Besichtigung im Fernsehstudio weiter. Kurz vor 18 Uhr machte sich hier allmählich eine angespannte Stimmung vor der ersten "lokalen Sendung" breit. Allein im Studio, von ferngesteuerten Kameras umgeben, die Moderatorin Michaela Padberg. Im Regieraum hinter einer Unzahl von Reglern sechs hochangespannte und konzentrierte Fernsehmacher. Pünktlich um 18 Uhr war Sendestart. Die folgenden fünf Minuten machten dann eines sehr deutlich: Fernsehproduktion ist Stress. Nur gut, dass die Studios voll klimatisiert sind und dadurch zumindest Schweißausbrüche verhindert werden.

Von Jochen J. Helmecke

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