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Agrartechnik

Der Herr der grünen Flotte

13.08.2011 | 07:00 Uhr
Der Herr der grünen Flotte
Jan Rademachers Bauernhof in Halver Grünebaum. Foto: Jan Lehmann

Halver.Jan Rademacher weiß, was er will. Der junge Geschäftsführer des Land- und Industrietechnik-Unternehmens am Grünenbaum managt den Familienbetrieb in der dritten Generation. Für ihn kam nie etwas anderes in Frage und für ihn kommt nie etwas anderes in Frage. Daran lässt er keinen Zweifel. „Du bist verrückt, da hast Du ja nie Deine Ruhe“, haben ihn seine Freunde gewarnt. Sie haben Recht behalten.

Jan Rademacher (26) und sein 13köpfiges Team haben von Anfang Mai bis Ende November keine Ruhe. Dann geht es rund. Hochsaison für Agrartechnik, Rund-um-Service rund um die Uhr für Landwirte und Lohnunternehmer zwischen den Eckpunkten Dortmund-Köln-Plettenberg.

Der Kundenstamm wächst und die technischen Standards wachsen. Bauernromantik ade - technische Höchstleistungen und modernes Management dominieren. Menschliche Kontakte sind dabei nicht auf der Strecke geblieben. „Man muss sich mit der Landwirtschaft und ihren Menschen identifizieren“, sagt der Landmaschinenmechaniker-Meister und spricht auch für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Seit 2006 hat der Betrieb ca. 200 Erntemaschinen vom Mähwerk bis zur selbst fahrenden Arbeitsmaschine mit Rund-um-Service verkauft. Diese grüne Flotte ist High-Tech pur. „Der Fortschritt wird fortschreiten“, prophezeit Jan Rademacher. Sein Betrieb ist dabei. Er testet selbst fahrende Systeme und betritt damit Neuland. Die Maschine wird elektronisch betrieben u.a. mit Hilfe von GPS-Empfängern. Die Ansprüche werden immer höher und die Geräte immer anspruchsvoller. Nicht zuletzt deshalb bieten die Hersteller kostenloses Fahrertraining an.

Dabei hatte alles so schlicht und einfach angefangen. Am 1. März 1957 gründete Watje Rademacher die Firma als Huf- und Wagenschmiede in einer kleinen Werkstatt. 1961 wurde eine Werkzeughalle angebaut und der erste Traktor der Marke Güldner verkauft. 1969 schloss Rademacher einen Handelsvertrag mit Deutz Fahr, Traktoren- und Erntemaschinen. Uwe Rademacher übernahm 1989 die Geschäftsführung. Mit Jan Rademacher in der dritten Generation wurde ein neues Kapitel in der Firmengeschichte geschrieben. Das Unternehmen schloss einen Exklusivvertrag mit dem Landmaschinenhersteller Bernhard Krone über Ersatzteile, Vertrieb und 24-Stunden-Rundum-Service.

Bei Anruf Hilfe: Jan Rademacher hat hohe Ansprüche. „Wir wollen in kürzester Zeit vor Ort sein, unser Idealziel ist eine Stunde“. Das Team ist technisch geschult, der Laptop gehört beim Außeneinsatz zur Ausrüstung. Meistens können die Techniker direkt helfen und auf Ersatzteile aus dem Lager am Grünenbaum mit 10 000 Artikeln zurückgreifen. Falls nicht, greift ein Notfall-Service beim Hersteller. Etwa zehn bis fünfzehn Mal im Jahr kommen die Teile per Taxi zum Kunden.

Das Sauerland ist für die Landmaschinenhersteller gefragtes Terrain. Auf den Hanglagen können sie die Praxistauglichkeit in Höhengebieten testen. So fahren die Sauerländer im Land der tausend Berge Prototypen im alten Kleid. 2010 ließ hier der weltgrößte Kreiselschwader Swadro 2000 seine Muskeln spielen.

Von Halver in die weite Welt – gebrauchte Maschinen sind auch im Ausland gefragt. Vor kurzem schickte die Rademacher-Crew einen 40-Fuß-Container nach Bremerhaven. Traktoren und Feldspritzen traten von dort die Schiffsreise nach Thailand an.

Landwirtschaft ist modern, aber nicht in Mode. Jan Rademacher bedauert das. Er wünscht sich mehr Interesse für Landtechnik. Der junge Chef sucht die Kontakte zu Schulen und Organisationen. Besucher sind jederzeit willkommen, ebenso Praktikanten. Der Betrieb bildet jedes Jahr aus. Am 1. August hat die dreieinhalbjährige Lehrzeit für den neuen Auszubildenden begonnen. Er trifft auf ein engagiertes Team. In der Werkstatt arbeiten sechs Landmaschinentechniker. Die Leute kommen aus Halver, Breckerfeld, Ennepetal. Alle sind technisch versiert und tauschen ihr Wissen untereinander aus. Fluktuation ist kein Thema. „Wenn man einmal drin ist, dann macht man das immer“ – das ist Firmenphilosophie am Grünenbaum.

Elke Teipel

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