Ausbildung im Rollstuhl: Kein Problem
04.11.2008 | 18:01 Uhr 2008-11-04T18:01:00+0100
23 Auszubildende beschäftigt das Unternehmen Werner Turck in diesem Jahr – so viele wie noch nie. Und mit Mark Müller ist einer mit einer besonders ungewöhnlichen Geschichte darunter.
Eigentlich sollte der heute 24-Jährige seine Ausbildung zum Fachinformatiker bereits am 1. August 2007 beginnen. In den Osterferien hatte er ein Praktikum an der Goethestraße absolviert. „Da wussten wir schon: Das ist ein klasse Azubi für uns”, erinnert sich Helmut Wunderlich, Ausbildungsleiter für den IT-Bereich des Unternehmens. Am 30. April 2007 schickte die Firma deshalb den Lehrvertrag los.
Doch am gleichen Tag verunglückte Mark Müller mit dem Motorrad. Schnell stand fest: der junge Mann würde querschnittsgelähmt bleiben und an den Rollstuhl gefesselt sein. Wunderlich: „Für uns war schnell klar, dass wir den Lehrvertrag aufrecht erhalten wollten.” Und Mark Müller blickt zurück: „Für mich war das ganz wichtig, dass ich eine Perspektive habe.”
Im April 2008 meldete er sich nach acht Monaten Krankenhausaufenthalt und anschließender Reha bei Turck zurück. Bis zum neuen Termin für den Ausbildungsstart am 1. August 2008 konnte er ein weiteres Praktikum absolvieren. Der Vorteil: beide Seiten konnten in aller Ruhe testen, ob die Ausbildung Sinn macht.
„Wir haben schon immer Behinderte im Betrieb gehabt”, so Helmut Wunderlich. Ein Rollstuhlfahrer sei seit mindestens 27 Jahren bei Turck tätig, allerdings am Kirchlöher Weg. Doch auch an der Goethestraße sei die notwendige Infrastruktur vorhanden gewesen. Fahrstühle, Rampen oder behindertengerechte Toilette mussten laut Wunderlich nur „reaktiviert” werden, weil sie einige Zeit nicht benötigt wurden.
Erstmals zur
Berufsschule Hagen
In den ersten Monaten testete Mark Müller mit einem Kollegen alles mögliche aus – auch den Weg zur Berufsschule. Und weil die Einrichtung in Hagen absolut barrierefrei und damit für Rollstuhlfahrer besser geeignet ist als der Raithelplatz in Lüdenscheid, besucht Müller nun mit einer weiteren Auszubildenden das Berufskolleg in Hagen.
Aber nicht nur Mark Müller, auch die anderen Auszubildenden fühlen sich bei Turck wohl. „Turck ist eine der größten Firmen in Halver”, freut sich die Halveranerin Veronika Merling, im zweiten Ausbildungsjahr zur Industriekauffrau, hier untergekommen zu sein. Ebenso wie Leonie Müller aus Lüdenscheid. Die bewarb sich nach Abitur und einem Jahr in Amerika bei Turck – und startete am 1. August ebenfalls eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Doch während Müller im Anschluss an die Lehre noch studieren möchte, hofft Merling auf eine Übernahme. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, versichert Wunderlich: „Wir bilden normalerweise für den eigenen Bedarf aus. Uns ist es lieb, wenn unsere Mitarbeiter im Betrieb groß werden.”
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