Auch Bello bibbert
08.02.2012 | 14:53 Uhr 2012-02-08T14:53:00+0100
Halver.Ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt. Die aktuelle Witterung so zu umschreiben, ist keine Übertreibung. Zweibeiner frönen der Zwiebeltechnik und mummeln sich in Schichten aus Pullovern und Jacken. Doch nicht nur Mensch, auch Tier leidet. Mit einfachen Kniffen können Herrchen und Frauchen ihre Lieblinge vor der Kälte schützen.
Nagetiere, wie Kaninchen oder Meerschweinchen, die es gewohnt sind, draußen im Stall zu leben, können dort auch jetzt bleiben, erklärt Tierarzt Walter Eichert im Gespräch mit der WR. „Wichtig ist, dass sie genug Einstreu haben und man den Wind von ihnen fernhält, denn die Tiere leiden wie wir unter dem so genannten Windchill.“ Eine Pappe oder eine Holzplatte als Windschutz genügten, um ein geeignetes „Kleinklima“ zu schaffen. „Bei Nagetieren, die „ein Wohlleben“ in der Wohnung führten, seien solche Maßnahmen nicht notwendig. Anders bei Tieren, die bei diesem Wetter „raus und rein gehen“, sprich Hund und Katze.
„Katzen sind sehr schlau“, so Eichert. Da sie sich in der Regel selbst überlassen bleiben, sind sie auch fähig, selbst zu reagieren. „Katzen, die sich im Freien aufhalten, bilden ein dickes Winterfell, das sie schützt wie uns Winterkleidung. Wir haben auch Katzen bei uns auf dem Hof“, erzählt der Veterinär. „Die laufen trotz aktuell minus 16 Grad, die wir hier haben, draußen herum und fangen Mäuse, wie ich gesehen habe. Das Wetter macht ihnen nicht viel aus. Nachts schlafen sie im Stall oder suchen sich ein warmes Plätzchen an der Heizung.“
Größeres Augenmerk sollten Herrchen und Frauchen ihrem Hund schenken. Es sei sicher kein böser Wille, dennoch „absolut sträflich“, seinem Hund bei den aktuellen Temperaturen einen ein- oder anderhalbstündigen Spaziergang abzuverlangen, „nur weil es draußen gerade so schön ist“. Gerade für kurzhaarige Rassen wie Boxer oder Jack-Russell-Terrier könne dies gravierende gesundheitliche Risiken bergen, vor allem in Form schwerer Verkühlungen. Erkältungen oder auch Blaseninfekte seien keine Seltenheit.
„Ein Schäferhund oder Retriever hat ein dichtes Unterfell, aber kurzhaarige Rassen haben auch jetzt das gleiche Fell wie im Sommer. Das ist so, als würden wir im kurzen Hemd vor die Tür gehen“, meint Walter Eichert. Daher sei es „keine Schande, einem solchen Hund gerade jetzt eine Decke aufzuziehen“, auch wenn solche „Wintermäntelchen“, von denen es Unmengen im Handel gebe, „schon ein Handicap für die Tiere“ seien.
Im Gegensatz zur Katze sei der Hund so fixiert auf seinen Menschen, dass er mit „seinem Rudelführertier“ auch mitlaufe, wenn er eigentlich keine Lust verspüre, nach draußen zu gehen, und sich dabei übernehme. „Als treuer Diener weiß er nicht, wie man die Notbremse zieht.“
Eicherts dringender Rat: „Den Aufenthalt im Freien auf ein Minimum zu reduzieren.“ Es sei ein „Trugschluss“ zu glauben, Hunde benötigten viel Bewegung. „Sie brauchen Aufmerksamkeit, sie brauchen Beschäftigung, aber das geht zur Not auch in der Wohnung. „Wichtig ist zudem, das Futter zu reduzieren, wenn das Tier weniger sportlich aktiv ist – das ist Gesundheitsvorsorge!“
Am schlimmsten sei es, wenn die Halter sich nichts dabei dächten, ihre Hunde über den hart gefrorenen Boden beispielsweise nach Stöckchen oder Frisbee-Scheibe jagen zu lassen. „Jetzt ist nicht die Zeit für Halligalli! Die Hunde krallen sich beim Laufen im Boden fest und dabei reißen schnell die Krallen ein oder ganz ab.“
Und: Auch Nutztiere wüssten es zu schätzen, wenn sie sich derzeit im Warmen aufhalten könnten, erläutert Eichert, der neben seiner Arbeit als Tierarzt auch als Landwirt tätig ist. „Unsere 25 Rinder sind froh, wenn sie nicht raus müssen, und suchen sich bei diesem Wetter die windgeschützteste Ecke. Auch von wegen Bewegungsdrang bei Pferden: Unsere Pferde stehen jetzt seit zehn Tagen im Stall und wollen einfach nur ihre Ruhe haben – und kein einziges will raus!“
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